Standhöhe am Bogen: messen, einstellen und die richtigen Werte

Was die Standhöhe ist, wie du sie mit dem Checker misst, welche Werte zu deiner Bogenlänge gehören und wie du sie über das Ein- und Ausdrehen der Sehne veränderst.

Ein Sehnenmaßstab liegt waagerecht am Griffstück eines Recurvebogens an und misst den Abstand zur Sehne
Inhaltsverzeichnis 12 Abschnitte
  1. Was die Standhöhe ist
  2. Warum sie über den Schuss entscheidet
  3. Wie du sie misst
  4. Richtwerte nach Bogenlänge
  5. Eine Kontrolle, wenn die Herstellerangabe fehlt
  6. Die Standhöhe verändern
  7. Neue Sehnen längen sich
  8. Die eigene Standhöhe ausschießen
  9. Was bei anderen Bogenarten gilt
  10. Wann du nachmessen solltest
  11. Wo die Standhöhe in der Reihenfolge steht
  12. Fazit

Die Standhöhe ist der Abstand zwischen der Sehne und dem tiefsten Punkt deines Griffstücks. Sie klingt nach einer Nebensache und ist doch der Wert, an dem hängt, ob dein Bogen leise schießt und deine Pfeile eng beieinander stecken.

Recurve-Tuning: Standhöhe, Tiller und Nockpunkt einstellen

Geht die Grundeinstellung eines Recurvebogens der Reihe nach durch, von der Wurfarmausrichtung über die Standhöhe bis zu Nockpunkt und Tiller. Die Kachel startet bei 8:45, dort beginnt der Teil zur Standhöhe.

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Dieser Beitrag zeigt, was die Standhöhe genau ist, wie du sie richtig misst, welche Werte zu deiner Bogenlänge gehören und wie du sie über das Ein- und Ausdrehen der Sehne veränderst. Am Ende steht der Weg, mit dem du dein eigenes Optimum ausschießt, statt es zu raten.

Was die Standhöhe ist

Sie bezeichnet den Abstand vom tiefsten Punkt des Griffstücks zur Sehne, gemessen im rechten Winkel. Dieser tiefste Punkt heißt Pivot-Punkt, das ist die Stelle, an der der Druck deiner Bogenhand auf dem Griff liegt.

Für dieselbe Sache sind mehrere Namen im Umlauf, und alle meinen dasselbe: Standhöhe, Spannhöhe, Sehnenabstand und im Englischen Brace Height. Wer in einer Bedienungsanleitung nach dem Wert sucht, findet ihn meist unter der englischen Bezeichnung.

Warum sie über den Schuss entscheidet

Der Grund ist einfacher, als er klingt. Der Pfeil verlässt die Sehne genau in dem Moment, in dem sie im Schuss wieder ihre Ausgangslage erreicht, also die Standhöhe. Wo diese Ausgangslage liegt, bestimmt damit den Zeitpunkt der Pfeilabgabe.

Stimmt der Wert, entfaltet der Bogen seine Energie sauber, er läuft ruhig, klingt satt und gruppiert eng. Stimmt er nicht, merkst du das in zwei Richtungen.

Zu niedrig eingestellt schlabbert die Sehne beim Abschuss nach vorn. Der Pfeil schlägt am Bogenfenster oder an der Pfeilauflage an und beginnt zu wobbeln, im Fachjargon Fishtailing. Der Bogen scheppert hörbar, der Schlag geht spürbar in die Bogenhand, und die Sehne kommt deinem Unterarm näher, als dir lieb ist.

Zu hoch eingestellt wird der Beschleunigungsweg kürzer, der Pfeil verliert etwas Geschwindigkeit. Das System wird dafür fehlerverzeihender, weil die Sehne kürzer am Pfeil arbeitet. Übertreiben solltest du es trotzdem nicht. Ein dauerhaft überspannter Bogen steht unter Materialstress, und im schlimmsten Fall bricht er.

Wie du sie misst

Das Werkzeug dafür heißt Checker oder Sehnenmaßstab, ein T-förmiges Lineal für wenige Euro. Es ist dasselbe, mit dem du auch den Nockpunkt setzt.

  1. Bogen aufspannen und aufrecht vor dich halten.
  2. Die T-Seite an den Pivot-Punkt anlegen, also an die tiefste Stelle des Griffs.
  3. Im rechten Winkel zur Sehne ablesen. Schräg gehalten misst du zu viel.

Die Skala eines Sehnenmaßstabs trägt meist Zoll und Zentimeter nebeneinander. Im Bogensport ist Zoll üblich, weil die Herstellerangaben in Zoll stehen.

Die wichtigste Messregel steht nirgends auf dem Werkzeug. Miss nicht direkt nach dem Aufspannen, sondern erst nach ungefähr zehn Schuss. Viele Sehnen ziehen sich im abgespannten Zustand etwas zusammen und dehnen sich erst unter den ersten Belastungen wieder in ihre eigentliche Lage. Wer sofort misst, dreht an einem Wert herum, den es so gar nicht gibt.

Richtwerte nach Bogenlänge

Am Recurvebogen bewegt sich der Wert zwischen 7,5 und 9 Zoll. Eine feste Vorschrift wäre unsinnig, weil Wurfarme, Sehnenmaterial und Schießstil mitreden.

Die Angabe des Herstellers hat immer Vorrang. Steht sie in der Anleitung oder auf dem Wurfarm, ist die Tabelle unnötig. Fehlt sie, geben die folgenden Herstellerbereiche eine Orientierung. Einzelne Modelle liegen an den Rändern knapp außerhalb der Faustspanne:

Bogenlänge Standhöhe in Zoll in Zentimetern
58 Zoll 7,25 bis 7,75 18,4 bis 19,7
60 Zoll 7,5 bis 8,25 19,1 bis 21,0
62 Zoll 7,75 bis 8,5 19,7 bis 21,6
64 Zoll 8,0 bis 8,75 20,3 bis 22,2
66 Zoll 8,25 bis 9,0 21,0 bis 22,9
68 Zoll 8,5 bis 9,25 21,6 bis 23,5
70 Zoll 8,75 bis 9,5 22,2 bis 24,1

Das Muster dahinter: Je länger der Bogen, desto größer die Standhöhe. Welche Bogenlänge überhaupt zu dir passt, klärt der Beitrag zur Bogenlänge. Diese Entscheidung fällt vor dem Kauf, die Standhöhe stellst du danach am vorhandenen Bogen ein.

Für traditionelle Schützen auf kurzen Distanzen sind Abweichungen von etwa 5 Millimetern nach oben oder unten in der Regel ohne spürbare Wirkung.

Eine Kontrolle, wenn die Herstellerangabe fehlt

Ist die Angabe nirgends aufzutreiben, verrät dir der Bogen selbst, ob du im Rahmen liegst. Sieh dir an, wo sich die Sehne von den Wurfarmen löst. An beiden Enden sollte sie etwa 1,5 bis 2 Zentimeter am Wurfarm anliegen. Ist dieser Kontakt merklich kürzer, steht die Standhöhe zu hoch, ist er länger, zu niedrig. Ein Nachmessen ersetzt das nicht, für das Erkennen einer groben Fehleinstellung genügt es.

Die Standhöhe verändern

Verstellt wird sie nicht am Bogen, sondern an der Sehne, indem du sie im abgespannten Zustand ein- oder ausdrehst. Dadurch ändert sich ihre Länge.

  • Eindrehen verkürzt die Sehne und erhöht die Standhöhe.
  • Ausdrehen verlängert sie und senkt die Standhöhe.

Für die Drehrichtung gibt es eine Richtregel. Rechtshandschützen drehen rechtsherum ein, Linkshandschützen linksherum. Sieh trotzdem vorher hin, in welche Richtung deine Sehne bereits gedreht ist, und dreh in dieselbe.

Mindestens 15 bis 20 Umdrehungen sollten immer in der Sehne bleiben. Eine glatt ausgedrehte Sehne verliert an Stabilität, und bei flämisch gespleißten Sehnen arbeitet sich ohne Grunddrehung der Spleiß auf.

So geht es der Reihe nach:

  1. Bogen abspannen, und zwar mit der Spannschnur. Nicht mit dem Fuß und nicht mit der Durchsteigetechnik.
  2. Obere Schlaufe aushängen, die untere kann in der Kerbe bleiben. Mit einer Universal-Spannschnur geht das im Handumdrehen.
  3. Wenige Umdrehungen auf einmal, dann wieder einhängen.
  4. Aufspannen und nachmessen. Mehrere kleine Schritte gehen schneller als einmal raten.

Ein Sehnenhalter lohnt sich, wenn du die Sehne öfter abnimmst. Er verhindert, dass sie sich dabei ungewollt aufdreht und du von vorn anfängst.

Neue Sehnen längen sich

Das ist der Punkt, an dem Einsteiger am häufigsten stutzen. Eine neue Sehne bleibt nicht auf ihrer Länge, sie längt sich auf den ersten 100 bis 250 Schuss dauerhaft. Bei flämisch gespleißten Sehnen ist der Effekt besonders deutlich, weil sich die Faserbündel erst verdichten müssen.

Praktisch heißt das: Die Standhöhe sinkt in der Einschießphase langsam ab, und du gleichst das durch Nachdrehen aus. Ist die Sehne eingeschossen, bleibt der Wert stabil.

Wie stark das ausfällt, hängt am Material:

  • Dacron ist elastisch und dehnt sich am meisten. Hier musst du am häufigsten nachdrehen.
  • Fast Flight und Dyneema längen sich nach dem Einschießen kaum noch.

Welches Material zu deinem Bogen passt und woran du eine verschlissene Sehne erkennst, steht im Beitrag zur Bogensehne. Wenn du ohnehin über eine neue Bogensehne nachdenkst, plane die Einschießphase gleich mit ein.

Die eigene Standhöhe ausschießen

Die Herstellerangabe ist ein Bereich, kein Punkt. Innerhalb dieses Bereichs gibt es für dich, deinen Bogen und deine Pfeile ein Optimum, und das findest du nicht durch Rechnen, sondern durch Schießen.

  1. Beim Minimalwert anfangen, also am unteren Ende der Herstellerangabe.
  2. Passen zu je sechs Pfeilen schießen, auf 25 bis 30 Meter, und die Trefferlage notieren.
  3. Die Sehne millimeterweise eindrehen, um die Standhöhe schrittweise zu erhöhen.
  4. Nach jedem Schritt erneut schießen und wieder notieren.
  5. Bis zur Obergrenze der Herstellerangabe so weitermachen.

Gefunden hast du dein Optimum dort, wo zwei Dinge zusammenkommen. Der Bogen klingt am leisesten und sattesten, und die Pfeile stecken am engsten beieinander. Das Ohr ist dabei erstaunlich zuverlässig, oft hörst du den richtigen Wert, bevor du ihn in der Scheibe siehst.

Notiere dir den gefundenen Wert. Nach einem Sehnenwechsel fängst du sonst wieder von vorn an.

Ein Sonderfall ist das Stringwalking, also das tiefe Abgreifen an der Sehne zum Zielen. Dabei darf die Standhöhe bewusst höher liegen, oft mehr als einen Zentimeter über der Herstellerangabe.

Was bei anderen Bogenarten gilt

Am Langbogen liegt die Standhöhe beim klassischen englischen Typ meist zwischen 7,5 und 8,5 Zoll. Alles zur Bauform steht im Beitrag zum Langbogen.

Am Hybridbogen sind 7 bis 7,5 Zoll üblich, also der Kompromiss zwischen Langbogen und Recurve, passend zur Bauweise dieses Bogentyps.

Am Compoundbogen kannst du dir das Thema weitgehend sparen. Er kommt mit einer festen, dehnungsarmen Sehneneinstellung vom Händler, und die Standhöhe lässt sich nicht über das Eindrehen verändern. Sie ist dort eine Eigenschaft des Bogens und keine Einstellung, siehe den Beitrag zum Compoundbogen.

Wann du nachmessen solltest

Einmal eingestellt heißt nicht für immer eingestellt. Vier Gelegenheiten sind es wert, den Checker noch einmal anzulegen.

  • Vor dem Training. Der Bogen ist ohnehin gerade aufgespannt, die Prüfung kostet zehn Sekunden.
  • Während eine Sehne eingeschossen wird. Sie längt sich in dieser Phase, der Wert sinkt langsam mit.
  • Sobald die Pfeile anders fliegen. Ein Trefferbild, das über Wochen nach oben kriecht, ist das klassische Zeichen.
  • Nach nassem Wetter. Feuchtigkeit geht an die Sehne, und was an der Sehne passiert, landet bei der Standhöhe.

Wirf beim selben Handgriff einen Blick auf die Schrauben am Mittelteil. Und wer seinen Sollwert notiert hat, sieht eine Abweichung sofort, statt sie zu ahnen.

Wo die Standhöhe in der Reihenfolge steht

Sie ist der erste Wert, den du am Bogen einstellst, und das aus einem praktischen Grund. Fast alles, was danach kommt, hängt an ihr. Der Nockpunkt wird relativ zur Sehnenlage gesetzt, der Tiller beeinflusst dasselbe Kräftespiel, und das Visier wird ganz zum Schluss eingeschossen.

Wer die Standhöhe nachträglich ändert, verstellt damit indirekt auch den Rest. Deshalb steht sie am Anfang und nicht zwischendurch.

Fazit

Die Standhöhe ist der Abstand von der Sehne zum tiefsten Punkt des Griffs, und sie entscheidet darüber, wann der Pfeil die Sehne verlässt. Halte dich zuerst an die Angabe des Herstellers, sonst an die Tabelle nach Bogenlänge, und miss erst nach zehn Schuss. Nimm dir dann eine Trainingseinheit Zeit, um innerhalb des Bereichs dein Optimum auszuschießen, und notiere den Wert. Beim nächsten Sehnenwechsel ist diese eine Zahl die halbe Arbeit.

Häufige Fragen

Was ist die Standhöhe beim Bogen?

Der Abstand zwischen der Sehne und dem tiefsten Punkt des Griffstücks, dem Pivot-Punkt, gemessen im rechten Winkel. Sie heißt auch Spannhöhe, Sehnenabstand oder auf Englisch Brace Height. Sie entscheidet mit darüber, wie leise dein Bogen schießt und wie eng deine Pfeile gruppieren.

Wie messe ich die Standhöhe richtig?

Mit einem Checker, auch Sehnenmaßstab genannt. Du legst die T-Seite an den tiefsten Punkt des Griffs an und liest den Wert im rechten Winkel an der Sehne ab. Miss nicht direkt nach dem Aufspannen, sondern erst nach etwa zehn Schuss, weil sich viele Sehnen im abgespannten Zustand zusammenziehen.

Welche Standhöhe ist die richtige für meinen Bogen?

Zuerst gilt die Angabe des Herstellers. Beim Recurvebogen liegt der übliche Bereich zwischen 7,5 und 9 Zoll, wobei ein kurzer Bogen eher am unteren Ende liegt und ein langer eher am oberen. Innerhalb dieses Bereichs schießt du dein eigenes Optimum aus, es liegt dort, wo der Bogen am leisesten klingt und am engsten gruppiert.

Was passiert bei zu geringer Standhöhe?

Die Sehne schlabbert beim Abschuss nach vorn, der Pfeil schlägt am Bogenfenster oder an der Auflage an und beginnt zu wobbeln. Dazu wird der Schuss laut und schlägt spürbar in die Bogenhand, und die Sehne kommt näher an deinen Unterarm.

Muss ich die Standhöhe am Compoundbogen einstellen?

Nein. Der Compoundbogen kommt mit einer festen, dehnungsarmen Sehneneinstellung vom Händler, und seine Standhöhe ist nicht über das Eindrehen veränderbar. Das Thema betrifft in der Praxis Recurve, Langbogen und Hybridbogen.

Bleibt eine Frage offen? Im Verein steht immer jemand daneben, der sie in zwei Sätzen beantwortet, und genau dort fängt der Sport an.

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