Auszugslänge messen und berechnen: Formel, Tabelle und Messpfeil
Auszugslänge messen und berechnen: die Formel über die Armspannweite, eine Tabelle nach Körpergröße und wie du daraus die richtige Pfeillänge ableitest.
Inhaltsverzeichnis22 Abschnitte
- Auszugslänge erklärt: Was ist der persönliche Auszug und wie berechne ich ihn?
- Was ist die Auszugslänge?
- Warum ist die Auszugslänge wichtig?
- So bestimmst du deine Auszugslänge
- Methode 1: Armspannweite-Formel
- Methode 2: Messpfeil-Methode
- Methode 3: Wandmethode
- Vergleichstabelle: Welche Methode wann?
- Auszugslänge bei verschiedenen Bogentypen
- Recurvebogen: Flexibel aber wichtig
- Compoundbogen: Eine echte Millimeterarbeit
- Langbogen und traditionelle Bögen
- Von der Auszugslänge zur Pfeillänge
- Wie viel Zuschlag brauchst du?
- Warum nicht einfach so kurz wie möglich?
- Wenn die Pfeile zu lang sind: kürzen
- Besonderheit bei Kindern und Jugendlichen
- Praktische Richtwerte nach Körpergröße
- Besonderheit bei Kindern
- Typische Fehler vermeiden
- Der Zusammenhang mit dem Spinewert
- Fazit
Auszugslänge berechnen
Miss deine Armspannweite von Fingerspitze zu Fingerspitze und trage sie ein. Die Rechnung läuft in deinem Browser, es werden keine Daten übertragen.
Dein persönlicher Auszug:
Auszugslänge erklärt: Was ist der persönliche Auszug und wie berechne ich ihn?
Hier erfährst du, wie du deine Auszugslänge präzise bestimmst, welche Messmethoden sich für Einsteiger eignen und warum dieser Wert bei Compoundbögen millimetergenau stimmen muss. Tabellen, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und ein paar bewährte Faustregeln führen dich zu den Werten, die zu deiner Ausrüstung passen.
Was ist die Auszugslänge?
Die Auszugslänge (häufig auch: Draw Length) bezeichnet den standardisierten Abstand zwischen zwei definierten Punkten am Bogen bei Vollauszug. Genauer der Abstand vom Nockpunkt auf der Sehne und dem tiefsten Punkt im Griffstück, dem sogenannten Pivot-Punkt. Diese Messung erfolgt nach dem internationalen AMO-Standard (Archery Manufacturers Organization), der heute als ATA-Standard (Archery Trade Association) fortgeführt wird.
Entscheidend ist: Zum gemessenen Wert werden standardmäßig 1¾ Zoll (44,5 mm) addiert. Diese Konstante wurde eingeführt, um Unterschiede bei Griffprofilen auszugleichen. Bei traditionellen Holzgriffstücken entspricht dieser Wert der durchschnittlichen Griffdicke vom Pivot-Punkt zur Bogenvorderseite.
Beispiel: Wenn du vom Nockpunkt zum Pivot-Punkt 26¼ Zoll misst, beträgt deine AMO-Auszugslänge 28 Zoll (26,25″ + 1,75″ = 28″). Dieser Wert gilt international als Standardauszug, auf den alle Zuggewichtsangaben von Bögen bezogen werden.
Warum ist die Auszugslänge wichtig?
An deiner persönlichen Auszugslänge hängt fast alles andere:
- Bogenlänge: Bei Recurvebögen bestimmt der Auszug die optimale Bogenlänge. Ein zu kurzer Bogen führt zum sogenannten „Stacking”, das Zuggewicht steigt am Ende überproportional an.
- Zuggewicht: Pro Zoll Abweichung vom 28-Zoll-Standard ändert sich das tatsächliche Zuggewicht deines Bogens um etwa 2 bis 3 Pfund bei Recurvebögen.
- Pfeillänge: Die Auszugslänge definiert die minimal sichere Pfeillänge. Ein zu kurzer Pfeil kann von der Auflage fallen und schwere Verletzungen verursachen.
- Spinewert: Längere Pfeile verhalten sich dynamisch weicher und benötigen einen anderen Härtegrad als kürzere Pfeile bei gleichem Zuggewicht.
So bestimmst du deine Auszugslänge
Für die Auszugsbestimmung gibt es mehrere bewährte Methoden, jede mit eigenen Stärken und Schwächen. Für Einsteiger funktioniert die Kombination am besten: erst die Armspannweite für eine schnelle Orientierung, dann die genaue Messung mit dem Messpfeil im Fachhandel oder im Verein.
Methode 1: Armspannweite-Formel

Die Armspannweite-Methode ist die schnellste und einfachste Variante, um einen ersten Richtwert zu ermitteln. Du benötigst lediglich ein Maßband und eine zweite Person zum Ablesen.
Hinweis: Diese Methode liefert einen Richtwert mit ±0,5 bis 1 Zoll Abweichung. Für den ersten Bogenkauf ist das völlig ausreichend. Die Genauigkeit liegt bei etwa 95 % der Menschen im akzeptablen Bereich.
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Stelle dich mit dem Rücken zur Wand
- Strecke beide Arme seitlich auf Schulterhöhe aus, ohne zu überstrecken
- Die Handflächen zeigen nach vorne, Finger sind gestreckt
- Miss den Abstand von Fingerspitze (Mittelfinger) zu Fingerspitze
- Wende die Formel an: Spannweite (cm) ÷ 2,5 ÷ 2,54 = Auszugslänge (Zoll)
Beispielrechnung: Bei einer Armspannweite von 180 cm ergibt sich: 180 ÷ 2,5 = 72 cm → 72 ÷ 2,54 = 28,3 Zoll
Methode 2: Messpfeil-Methode
Du benötigst:
- Einen Messpfeil (überlanger Pfeil mit Zollskala)
- Einen leichten Übungsbogen (20 bis 30 lbs Zuggewicht)
- Eine zweite Person zum Ablesen
So funktioniert’s:
- Nocke den Messpfeil auf den Bogen auf
- Nimm deine normale Schießhaltung ein
- Ziehe bis zu deinem persönlichen Ankerpunkt (z.B. Mundwinkel oder Kieferknochen)
- Die zweite Person liest den Wert an der Pfeilauflage ab
- Addiere 1¾ Zoll zum abgelesenen Wert
Lass dich dabei möglichst von einem erfahrenen Trainer anleiten. Anfänger verkrampfen beim Messen oft, ohne es zu merken, und messen sich dadurch zu kurz.
Methode 3: Wandmethode
Die Wandmethode simuliert die Schießposition ohne Bogen und eignet sich für eine schnelle Selbstmessung zuhause.
Durchführung:
- Stelle dich seitlich zur Wand (linke Schulter zur Wand bei Rechtsschützen)
- Bilde mit der Bogenhand eine Faust und drücke sie gegen die Wand
- Drehe den Kopf wie beim Zielen zum imaginären Ziel
- Führe die Zughand zum Ankerpunkt (z.B. Mundwinkel)
- Miss den Abstand von der Wand zur Zughand
- Addiere 1¾ Zoll zum gemessenen Wert
Diese Methode erreicht eine Genauigkeit von ±0,5 Zoll und liegt damit zwischen Armspannweite und Messpfeil.
Vergleichstabelle: Welche Methode wann?
| Methode | Genauigkeit | Wann nutzen? |
|---|---|---|
| Messpfeil | ±0,25” | Finaler Check im Fachhandel/Verein |
| Armspannweite | ±0,5 bis 1” | Erste Orientierung für Bogenkauf |
| Wandmethode | ±0,5” | Schnelle Selbstmessung zuhause |
Auszugslänge bei verschiedenen Bogentypen
Wie genau die Auszugslänge stimmen muss, hängt stark vom Bogentyp ab. Der Recurvebogen verzeiht eine kleine Abweichung, der Compoundbogen nicht.
Recurvebogen: Flexibel aber wichtig
Beim Recurvebogen existiert kein mechanischer Stopp. Du bestimmst den Auszug selbst durch deine Technik und deinen Ankerpunkt. Das macht diesen Bogentyp toleranter gegenüber leichten Abweichungen, hat aber direkte Auswirkungen auf das effektive Zuggewicht.
Die Berechnung des Zuggewichts erfolgt nach dieser Formel: (Bogengewicht bei 28” ÷ 20) × Auszugsabweichung in Zoll = Gewichtsänderung
Praktisches Beispiel: Ein Bogen mit 42 lbs bei 28 Zoll Standardauszug wird bei nur 25½ Zoll Auszug deutlich schwächer: 42 ÷ 20 × 2,5 = 5,25 lbs weniger. Du ziehst also effektiv nur 36,75 lbs. Pro Zoll Auszugsänderung verändert sich das Zuggewicht um 2 bis 3 Pfund.
Ebenso kritisch ist die Wahl der Bogenlänge. Ein zu kurzer Bogen führt zum sogenannten Stacking. Das Zuggewicht steigt gegen Ende des Auszugs überproportional an.
Bogenlängen-Empfehlung nach Auszug:
| Auszugslänge | Empfohlene Bogenlänge |
|---|---|
| unter 25” | 64” |
| 25 bis 27” | 66 bis 68” |
| 27 bis 29” | 68” |
| 29 bis 31” | 68 bis 70” |
| über 31” | 70” |
Compoundbogen: Eine echte Millimeterarbeit

Drawstop an einer Cam eines Compoundbogens
Warum Präzision entscheidend ist:
Beim Compoundbogen definiert der mechanische „Stopp” das Ende des Auszugs. Dieser „Stopp” wird durch einen sogenannten „Draw-Stop” erreicht. Dabei handelt es sich um ein kleines Bauteil an der Cam des Compoundbogens, das durch das Anschlagen am Wurfarm den Auszug definiert. Eine falsche Einstellung hat hier sofortige Folgen.
- Das Peep Sight muss exakt in der Sichtlinie liegen
- Der Ankerpunkt wird bei falscher Einstellung inkonsistent
- Die gesamte Körperhaltung kompensiert den Fehler
- Zu kurzer Auszug zwingt zu gebeugtem Bogenarm und hochgezogener Schulter
- Zu langer Auszug führt zu überstrecktem Arm und instabilem Anker
Beim Compoundbogen muss die Auszugslänge präzise eingestellt werden. Der mechanische Back Wall (Rückwand) definiert einen festen Anschlag am Vollauszug. Diese Eigenschaft macht den Compoundbogen effizienter, aber auch kompromissloser bei Fehleinstellungen.
Das Valley bezeichnet den Bereich der Kraft-Weg-Kurve direkt vor dem Vollauszug, wo das Zuggewicht durch das Rollensystem auf das Minimum (Let-off) abfällt.
Einstellmöglichkeiten bei Compoundbögen:

Modul an einer Cam eines Compoundbogens
- Draw Length Module: Austauschbare Module auf den Cams, jede Position ändert die Länge um typischerweise ½ Zoll
- Adjustable Cams: Verstellung per Innensechskant ohne Bogenpresse, Bereiche von 3 bis 13 Zoll möglich
- Micro-Tuning: Feinabstimmung durch Verdrehen von Sehne/Kabeln für ¼-Zoll-Anpassungen
Praxis-Tipp: Viele Hersteller kennzeichnen Module ½ bis 1 Zoll kürzer als der reale Auszug. Dies dient der IBO-Speed-Optimierung. Eine Überprüfung auf dem Drawboard ist empfehlenswert: Vom Pivot-Punkt zur Mittenbedienung messen, plus 1¾ Zoll ergibt die reale AMO-Auszugslänge.
Langbogen und traditionelle Bögen
Bei traditionellen Bögen gilt grundsätzlich der gleiche AMO-Standard, doch die Toleranz ist größer. Der Auszug bestimmt hier primär die Mindest-Bogenlänge. Ein 31-Zoll-Auszug erfordert bei einem Selfbow mindestens 74 Zoll Bogenlänge, um Stacking und Bruchgefahr zu vermeiden.
Die bewährte Faustregel lautet:
Minimale Bogenlänge = Auszugslänge x 2,5
Ein längerer Bogen schießt ruhiger, verzeiht Technikfehler besser und erzeugt weniger Handshock. Anfänger sollten im Zweifel immer den längeren Bogen wählen.
Von der Auszugslänge zur Pfeillänge
Deine Auszugslänge ist der Ausgangspunkt, aber nicht gleichzusetzen mit der Pfeillänge. Die Pfeillänge beschreibt die Gesamtlänge des Pfeils (vom Nockboden ohne Spitze). Sie fällt in der Praxis immer länger aus als dein reiner Auszugswert, und das hat gute Gründe.
Als Grundformel gilt: Pfeillänge = Auszugslänge + Sicherheitszuschlag. Dieser Zuschlag ist keine optionale Komfortzone, sondern eine echte Sicherheitsregel. Ein Pfeil, der beim Vollauszug von der Auflage rutscht, ist ein ernstes Verletzungsrisiko. Im schlimmsten Fall schießt du dir beim Lösen in die eigene Hand.
Wie viel Zuschlag brauchst du?
Das hängt vor allem davon ab, wie stabil deine Schusstechnik bereits ist. Anfänger und Fortgeschrittene verändern ihren Auszug oft unbewusst, je nach Tagesform, Ankerpunkt oder Körperhaltung. Schwankungen von 2 bis 4 Zoll zwischen einzelnen Schüssen sind bei Einsteigern keine Seltenheit.
| Erfahrungslevel | Empfohlener Zuschlag | Begründung |
|---|---|---|
| Anfänger | +2 bis 2,5 Zoll | Technik noch nicht stabil, Auszug variiert |
| Fortgeschrittene | +1 bis 1,5 Zoll | Ankerpunkt gefestigt, aber Technikentwicklung möglich |
| Erfahrene Schützen | individuell | Bestimmung über Finetuning und Blankschafttest |
Ein Beispiel: Bei einem Auszug von 28 Zoll kaufst du als Einsteiger Pfeile mit 30 bis 30,5 Zoll Länge. Das klingt nach viel, hat aber einen klaren Vorteil. Pfeile lassen sich nachträglich kürzen, aber niemals verlängern. Kaufst du zu kurz, hilft nur ein Neukauf.
Warum nicht einfach so kurz wie möglich?
Die Verlockung, einen möglichst kurzen und damit leichteren Pfeil zu kaufen, ist verständlich. Kürzere Pfeile sind schneller und windunempfindlicher. Wichtiger als die Länge ist aber immer der korrekte Spinewert. Ein Pfeil mit dem richtigen Spine und ausreichend Länge schlägt einen zu kurzen Pfeil mit scheinbar perfektem Setup jedes Mal.
Dazu kommt: Dein Auszug wird sich mit zunehmender Technik verändern. Wer mehr Rückenspannung aufbaut, zieht oft einen halben bis ganzen Zoll weiter als zu Beginn. Pfeile, die heute gerade so ausreichen, können in sechs Monaten zu kurz sein. Der Sicherheitszuschlag ist also gleichzeitig ein Puffer für deine Entwicklung als Schütze.
Wenn die Pfeile zu lang sind: kürzen
Hast du festgestellt, dass deine Pfeile deutlich länger sind als nötig, kannst du sie kürzen lassen. Das übernehmen die meisten Bogensport-Fachhändler für wenig Geld. Mit einem Pfeilabschneider geht es auch selbst, sofern du weißt, was du tust. Danach werden Insert bzw. Spitze neu verklebt, die Nocke sitzt weiterhin am hinteren Ende und muss in der Regel nicht getauscht werden.
Wichtig: Kürze niemals unter deinen aktuellen Auszugswert plus 1 Zoll Mindestpuffer. Und miss vorher noch einmal nach, ob dein Auszug tatsächlich stabil ist und sich nicht weiter verändert.
Besonderheit bei Kindern und Jugendlichen
Bei Kindern und Jugendlichen gilt der Sicherheitszuschlag noch konsequenter. Wachstumsschübe verändern die Auszugslänge schnell und deutlich. Was im Frühjahr gepasst hat, kann im Herbst bereits zu kurz sein. Deshalb solltest du bei Nachwuchsschützen Pfeillänge und Auszug alle 3 bis 6 Monate kontrollieren lassen und im Zweifelsfall immer die längere Variante wählen.
Praktische Richtwerte nach Körpergröße
Die folgende Tabelle liefert Durchschnittswerte für eine schnelle erste Orientierung. Sie ersetzt nicht die individuelle Messung, gibt dir aber einen soliden Ausgangspunkt für die Bogenauswahl.
| Körpergröße | Auszug (ca.) | Recurve-Bogen | Pfeillänge |
|---|---|---|---|
| 151 bis 160 cm | 23 bis 25” | 64” | 24 bis 26” |
| 161 bis 167 cm | 25 bis 27” | 66” | 26 bis 28” |
| 168 bis 175 cm | 27 bis 29” | 68” | 28 bis 33” |
| 176 bis 185 cm | 29 bis 31” | 68 bis 70” | 32 bis 33” |
| über 185 cm | ab 31” | 70” | ab 32” |
Wichtiger Hinweis: Diese Werte sind Durchschnitte. Menschen mit überdurchschnittlich langen Armen, kurzen Fingern oder besonderen Körperproportionen weichen erheblich ab. Die individuelle Messung bleibt unersetzlich.
Besonderheit bei Kindern
Kinder und Jugendliche sollten alle 3 bis 6 Monate nachgemessen werden. Durch Körperwachstum verändert sich die Auszugslänge kontinuierlich. Moderne Compoundbögen mit großem Verstellbereich (z.B. 19 bis 31 Zoll) wachsen mit und vermeiden teure Neukäufe.
Bei Kindern ist konservatives Entscheiden besonders wichtig. Lieber einen Pfeil zu lang als auch nur einen Millimeter zu kurz. Die motorischen Fähigkeiten entwickeln sich, der Auszug verlängert sich oft rapide.
Typische Fehler vermeiden
Selbst erfahrene Bogenschützen machen gelegentlich Fehler bei der Auszugsbestimmung. Diese fünf Fallstricke solltest du kennen.
1. Nur nach Tabellen kaufen Tabellen basieren auf Durchschnittswerten. Menschen mit ungewöhnlichen Proportionen (etwa sehr lange Arme bei normaler Körpergröße) können um 2 bis 3 Zoll von den Tabellenwerten abweichen.
Lösung: Tabelle nur als erste Orientierung nutzen, dann individuell messen.
2. Armspannweite überstrecken Beim Messen strecken viele reflexartig ihre Arme maximal aus. Das verfälscht den Wert um mehrere Zentimeter nach oben.
Lösung: Arme entspannt und natürlich ausstrecken, nicht übertreiben.
3. Mit zu starkem Bogen messen Bei Bögen über 30 Pfund können Anfänger keine korrekte Haltung einnehmen. Das Ergebnis ist ein zu kurz gemessener Auszug, weil der Körper Fehlstellungen kompensiert.
Lösung: Immer einen leichten Übungsbogen (20 bis 25 lbs) für die Messpfeil-Methode verwenden.
4. Ohne Sicherheitszuschlag Pfeile kaufen Der kalkulierte Auszugswert direkt als Pfeillänge zu nehmen, ist gefährlich. Bei Technikverbesserung oder schwankender Form verlängert sich der Auszug.
Lösung: Immer +1 bis +2,5 Zoll Sicherheitszuschlag einplanen.
5. Nach Jahren nicht nachmessen Die Auszugslänge ist kein statischer Wert. Technikänderungen, Muskelaufbau oder Verletzungen beeinflussen den Auszug.
Lösung: Jährliche Kontrolle, besonders nach Trainerkursen oder längeren Pausen.
Der Zusammenhang mit dem Spinewert
Die Auszugslänge beeinflusst indirekt den benötigten Spinewert (Pfeilsteifigkeit) über zwei Mechanismen. Erstens ändert sich bei Abweichung vom 28-Zoll-Standard das effektive Zuggewicht. Zweitens verhalten sich längere Pfeile dynamisch weicher als kürzere.
Als Faustregel gilt: ±5 Pfund pro Zoll Pfeillängenänderung beim benötigten Spine. Ein Schütze mit 30 Zoll Auszug und entsprechend langen Pfeilen benötigt bei gleichem Zuggewicht einen steiferen Pfeil als bei 28 Zoll Auszug.
Spine-Rechner im Internet berücksichtigen diese Faktoren automatisch. Die endgültige Abstimmung erfolgt jedoch immer über den Blankschafttest. Das Schießen unbefiederter Pfeile auf kurze Distanz zur Beurteilung des Pfeilflugs.
Fazit
Die korrekte Auszugslänge ist keine einmalige Messung, sondern ein dynamischer Wert, der sich mit Technikentwicklung, Körperwachstum und Materialwechsel verändert. Anfänger sollten mit der schnellen Armspannweite-Formel starten. Sie liefert einen Richtwert mit ±1 Zoll Genauigkeit, der für den ersten Bogenkauf völlig ausreicht.
Der nächste Schritt ist die genaue Messung mit dem Messpfeil, am besten unter fachkundiger Anleitung. Beim Compoundbogen führt daran ohnehin kein Weg vorbei, weil die Wall den Auszug fest vorgibt. Recurve- und Traditionsschützen haben mehr Spielraum, brauchen den Wert aber genauso für Bogenlänge, Pfeillänge und Spine.
Die wichtigste Regel bleibt: Sicherheit geht vor Perfektion. Ein Zoll zu lang ist besser als ein Millimeter zu kurz. Plane bei Pfeilen immer 1 bis 2,5 Zoll Sicherheitszuschlag ein, besonders als Anfänger. Pfeile können nachträglich gekürzt, aber niemals verlängert werden.
Eine saubere Messung dauert eine Viertelstunde. Diese Viertelstunde erspart dir Fehlkäufe, Frust und im ungünstigen Fall eine Verletzung.
Häufige Fragen
Kann sich meine Auszugslänge ändern?
Ja. Bei Technikverbesserung verlängert sich der Auszug oft um 1 bis 2 Zoll, da mehr Rückenspannung aufgebaut wird. Auch Muskelaufbau, Verletzungen oder Änderungen am Ankerpunkt beeinflussen den Wert. Erwachsene sollten jährlich kontrollieren, Kinder alle 3 bis 6 Monate wegen des Wachstums.
Muss ich für jeden Bogen neu messen?
Nein, deine persönliche Auszugslänge bleibt konstant. Sie ist eine Eigenschaft deines Körpers und deiner Technik. Nur die Bogeneinstellung (bei Compound) oder Wahl der Bogenlänge (bei Recurve) muss angepasst werden. Beim Bogentypwechsel solltest du jedoch zur Sicherheit nachmessen, da unterschiedliche Ankerpunkte den Wert leicht ändern können.
Was ist wichtiger: Tabelle oder Messung?
Eindeutig die Messung. Tabellen zeigen Durchschnittswerte für durchschnittliche Körperproportionen. Menschen mit langen Armen bei normaler Körpergröße, kurzen Fingern oder ungewöhnlichen Schulterverhältnissen weichen stark ab. Nutze Tabellen für die erste Orientierung beim Online-Kauf, aber messe spätestens im Fachgeschäft präzise nach.
Wie oft sollte ich nachmessen?
Die Häufigkeit hängt von deiner Situation ab. Kinder und Jugendliche sollten alle 3 bis 6 Monate kontrollieren lassen, da sich durch das Körperwachstum die Auszugslänge kontinuierlich verändert. Erwachsene Anfänger profitieren von einer Nachmessung nach 6 bis 12 Monaten, wenn sich die Schusstechnik stabilisiert hat. Fortgeschrittene kontrollieren jährlich oder unmittelbar nach Technikänderungen wie Trainerkursen oder einer Umstellung des Ankerpunkts. Nach Verletzungen im Schulter- oder Rückenbereich ist eine sofortige Kontrolle ratsam, da sich die Körperhaltung und damit auch der Auszug verändern kann.
Was bedeutet der AMO-Standard genau?
AMO steht für „Archery Manufacturers Organization" und bezeichnet den internationalen Messstandard für Auszugslängen. Er definiert, dass zum gemessenen Abstand von Nockpunkt zu Pivot-Punkt immer 1¾ Zoll addiert werden. Alle Zuggewichtsangaben auf Bögen beziehen sich auf den AMO-Standard von 28 Zoll. Heute wird der Standard als ATA (Archery Trade Association) fortgeführt.