Die Bogensehne: Material, Länge und Pflege verständlich erklärt
Welche Bogensehne passt zu deinem Bogen? Material, Länge, Strangzahl und Standhöhe verständlich erklärt, mit Tabellen und Richtwerten zum Nachschlagen.

Inhaltsverzeichnis25 Abschnitte
- Was ist die Bogensehne und woraus besteht sie?
- Die drei Bauteile einer Sehne
- Warum die Sehne ein Verschleißteil ist
- Dacron oder Fast Flight: welches Material passt zu deinem Bogen?
- Dacron: der dehnbare Standard
- Fast Flight und moderne Fasern
- Woran du erkennst, was dein Bogen verträgt
- Endlossehne oder flämischer Spleiß: die zwei Bauarten
- Die Endlossehne
- Die flämisch gespleißte Sehne
- Strangzahl: wie viele Stränge braucht deine Sehne?
- Warum die Nocke die Strangzahl mitbestimmt
- Welche Sehnenlänge passt zu deiner Bogenlänge?
- Warum es keine exakte Formel mehr gibt
- Wie du in der Praxis zur richtigen Länge kommst
- Warum auf der Verpackung eine andere Zahl steht
- Standhöhe: der Abstand zwischen Sehne und Griff
- Sehne eindrehen: die Standhöhe verändern
- Wie viele Umdrehungen zu viel sind
- Welches Ende der Sehne gehört nach oben?
- Die Sehne pflegen: wachsen, prüfen, lagern
- Wann eine Sehne ersetzt werden muss
- Lohnt es sich, eine Sehne selbst zu bauen?
- Eine Sehne kaufen: die Checkliste
- Fazit
Die Bogensehne ist das günstigste Bauteil am Bogen und das einzige, das planmäßig verschleißt. Sie hält die Wurfarme unter Spannung, sie nimmt beim Ausziehen deine Kraft auf, und im Moment des Lösens gibt sie diese Kraft an den Pfeil weiter. Fast alles, was du am Bogen einstellst, hängt an ihr. Die Standhöhe, der Nockpunkt und damit am Ende der Pfeilflug.
Beim Kauf wird sie trotzdem gern übergangen. Die häufigste Frage dazu ist die nach der Länge, und die zweithäufigste kommt ein paar Tage nach der Lieferung. Auf der Sehne steht eine andere Zahl als in der Bestellung, ob da etwas verwechselt wurde. Beides klären wir hier, dazu Material, Bauart, Strangzahl und die Pflege.
Was ist die Bogensehne und woraus besteht sie?
Die Sehne verbindet die beiden Enden der Wurfarme miteinander. Wurfarme sind die biegsamen Teile ober- und unterhalb des Griffs, ihre Enden heißen im Bogensport Tips. Ziehst du aus, biegen sich die Wurfarme und speichern Energie. Lässt du los, schnellen sie zurück, ziehen die Sehne nach vorn, und die Sehne schiebt den Pfeil.
Wichtig für das Verständnis: Die Sehne erzeugt keine Kraft, sie überträgt sie nur. Das Zuggewicht deines Bogens kommt allein aus den Wurfarmen. Eine neue Sehne macht den Bogen also nicht stärker, auch wenn das im Laden regelmäßig vermutet wird.
Die drei Bauteile einer Sehne
- Die Stränge. Mehrere dünne Kunstfasern, verdrillt oder gewickelt. Wie viele es sind, hängt vom Material und vom Zuggewicht ab.
- Die Schlaufen, auch Öhrchen genannt. Damit hängt die Sehne in den Kerben an den Tips. Die obere Schlaufe ist bei den meisten Sehnen größer als die untere.
- Die Mittenwicklung. Ein zusätzliches Garn, das über die Stränge gewickelt ist, ungefähr dort, wo du greifst. Sie schützt die Stränge vor dem Abrieb durch Finger, Tab und Pfeilnocke. Auf ihr sitzt auch der Nockpunkt, also die Markierung, an der der Pfeil eingehängt wird.
Warum die Sehne ein Verschleißteil ist
Bei jedem Schuss reiben die Stränge aneinander, die Wicklung wird von der Nocke belastet, und die Schlaufen arbeiten in den Kerben. Dazu kommen Feuchtigkeit und Sonnenlicht. Eine Sehne ist damit Verbrauchsmaterial, kein Bauteil für die Ewigkeit. Bei regelmäßigem Training hält sie ungefähr ein Jahr. Genau deshalb gibt es Bogensehnen fertig konfektioniert in allen gängigen Längen und Strangzahlen, statt sie einzeln anfertigen zu lassen.
Dacron oder Fast Flight: welches Material passt zu deinem Bogen?
Für Sehnen kommen im Wesentlichen zwei Materialgruppen infrage. Der Unterschied klingt technisch, hat aber eine sehr praktische Seite. Das eine Material passt an jeden Bogen, das andere nicht.
Dacron: der dehnbare Standard
Dacron ist ein Polyestergarn und seit Jahrzehnten das Standardmaterial für Einsteigersehnen. Es dehnt sich unter Last spürbar, und in den ersten Wochen längt sich eine neue Dacron-Sehne zusätzlich. Diese Dehnung wirkt wie ein Stoßdämpfer. Ein Teil der Energie geht dabei zwar verloren, dafür bekommt der Bogen beim Schuss weniger ab.
Für den Einstieg ist das die richtige Wahl. Dacron ist günstig, gutmütig und passt auf jeden Bogen, auch auf einen Holzlangbogen ohne verstärkte Enden.
Fast Flight und moderne Fasern
Unter Namen wie Fast Flight, Dyneema oder HMPE laufen Fasern, die sich praktisch nicht dehnen. Sie sind dünner, leichter und geben deutlich mehr Energie an den Pfeil weiter. Wer auf Geschwindigkeit und einen ruhigen Pfeilflug aus ist, schießt damit.
Der Preis dafür ist die fehlende Dämpfung. Was nicht in der Dehnung der Sehne landet, muss der Bogen selbst aufnehmen.
| Merkmal | Dacron | Fast Flight |
|---|---|---|
| Dehnung | spürbar, längt sich anfangs nach | praktisch keine |
| Pfeilgeschwindigkeit | etwas geringer | höher |
| Belastung für den Bogen | gedämpft | hart |
| Geeignet für | Einsteigersets, Holz- und Langbögen | moderne Recurve- und Compoundbögen |
| Preis | günstig | höher |
Woran du erkennst, was dein Bogen verträgt
Fast-Flight-taugliche Bögen haben verstärkte Tips, meist mit einer eingelegten Faserschicht. Ob dein Bogen dazugehört, steht in der Herstellerangabe oder im Datenblatt, oft als Vermerk „Fast Flight tauglich” oder kurz „FF”.
Findest du keine Angabe, gilt Dacron. Eine dehnungsarme Sehne auf einem Bogen ohne Freigabe kann die Enden der Wurfarme aufreißen oder den Wurfarm brechen lassen. Der Schaden zeigt sich oft nicht beim ersten Schuss, sondern nach ein paar Wochen, und er gilt als Anwendungsfehler, für den in aller Regel niemand aufkommt. Umgekehrt ist es unkritisch. Dacron schadet auch einem modernen Bogen nicht, er wird damit nur etwas langsamer.
Endlossehne oder flämischer Spleiß: die zwei Bauarten
Neben dem Material unterscheiden sich Sehnen darin, wie sie hergestellt sind. Beide Bauarten gibt es in beiden Materialien.
Die Endlossehne
Hier wird ein einziger Strang auf einem Sehnengalgen so lange um zwei Stifte gewickelt, bis die gewünschte Strangzahl erreicht ist. Der Abstand der Stifte bestimmt die Länge. Die Schlaufen entstehen, indem die Enden zusätzlich umwickelt werden.
Das Ergebnis ist eine gleichmäßige, eher dünne und leichte Sehne. Sie wird mit wenig Drehung geschossen und ist im sportlichen Bereich der Standard.
Die flämisch gespleißte Sehne
Bei dieser Bauart werden mehrere Bündel miteinander verdrillt. Die Schlaufen entstehen nicht durch Wickeln, sondern durch Einspleißen der Faserenden in die Sehne, so wie auf dem Bild oben.
Genau das führt zur häufigsten Reklamation im Laden. Aus dem Spleiß schauen die Enden der einzelnen Bündel heraus, und viele Einsteiger halten die neue Sehne deshalb für defekt. Sie ist es nicht, das ist die Bauart. Flämische Sehnen sind dicker und schwerer, sie gelten als leiser und als schonender für den Bogen. Nachgemessen hat das allerdings niemand, es ist eine im traditionellen Bereich verbreitete Erfahrung.
| Merkmal | Endlossehne | Flämischer Spleiß |
|---|---|---|
| Herstellung | ein Strang um zwei Stifte gewickelt | mehrere Bündel verdrillt und verspleißt |
| Enden | glatt umwickelt | sichtbar ausgespleißte Fasern |
| Dicke und Gewicht | dünner, leichter | dicker, schwerer |
| Typisch bei | sportlichem Recurve, Compound | Langbogen und traditionellem Schießen |
| Ruf | schnell und gleichmäßig | leise und gutmütig |
Strangzahl: wie viele Stränge braucht deine Sehne?
Ausgangspunkt ist das Zuggewicht, aber es ist nicht der einzige Faktor. Je stärker der Bogen, desto mehr Stränge trägt die Sehne. Die folgenden Zahlen sind Richtwerte aus der Praxis, keine Norm. Gibt der Hersteller deines Bogens etwas anderes an, gilt seine Angabe.
| Zuggewicht | Dacron | Fast Flight |
|---|---|---|
| bis 20 lbs | 8 bis 10 Stränge | 12 Stränge |
| 25 bis 35 lbs | 10 bis 12 Stränge | 12 bis 14 Stränge |
| 40 bis 50 lbs | 12 bis 16 Stränge | 14 bis 18 Stränge |
Auf den ersten Blick wirkt die rechte Spalte falsch: Fast Flight ist deutlich reißfester als Dacron und bräuchte rein rechnerisch weniger Stränge, nicht mehr. Die Zahl richtet sich hier aber nicht nach der Belastbarkeit.
Warum die Nocke die Strangzahl mitbestimmt
Die Nocke ist das gekerbte Kunststoffteil am hinteren Ende des Pfeils, mit dem er auf der Sehne einrastet. Nocken gibt es in verschiedenen Größen, und sie müssen zur Dicke der Mittenwicklung passen. Die Probe dafür geht ohne Werkzeug: Häng einen Pfeil ein und halte den Bogen waagerecht. Der Pfeil soll von selbst hängen bleiben und sich mit einem leichten Klaps auf die Sehne lösen. Fällt er sofort ab, sitzt er zu locker. Bleibt er auch nach einem kräftigen Schlag hängen, klemmt er und reißt beim Schuss den Pfeilflug krumm.
Eine zu dünne Sehne lässt sich über eine dickere Wicklung ausgleichen. Einfacher ist es, gleich die Strangzahl zu nehmen, die der Hersteller für den Bogen angibt, und die Pfeile dazu passend zu wählen.
Welche Sehnenlänge passt zu deiner Bogenlänge?
Das ist die mit Abstand häufigste Frage, und die ehrliche Antwort beginnt mit einem Ungefähr: Die Sehne ist 3 bis 4 Zoll kürzer als der Bogen. Genauer lässt es sich nur am Bogen selbst bestimmen.
Warum es keine exakte Formel mehr gibt
Der AMO-Standard, der internationale Maßstandard im Bogensport, wurde festgelegt, als Recurvebögen noch einteilig gebaut wurden. Inzwischen sind sie zerlegbar, mit ILF kam ein weiterer Industriestandard dazu, Mittelteile werden gefräst und haben die unterschiedlichsten Formen, und auch mit der Krümmung der Wurfarme wird experimentiert. Wurfarme mit starkem Recurve brauchen eine etwas andere Sehnenlänge als flach gebaute, und eine Formula-Aufnahme weicht von ILF ab.
Was dabei herauskommt, zeigen die Standardlängen der Hersteller. Avalon und Shocq fertigen für 68-Zoll-Bögen 164 cm und für 70 Zoll 169 cm. GAS Bowstrings gibt für 70-Zoll-Bögen 66 9/16 Zoll an, das sind 3,44 Zoll weniger als die Bogenlänge. Alle drei Werte liegen zwischen 3 und 4 Zoll, und keiner davon auf einer glatten Zahl.
| Bogenlänge | Empfohlene Sehnenlänge |
|---|---|
| 58 Zoll | 54 bis 55 Zoll (137 bis 139,5 cm) |
| 60 Zoll | 56 bis 57 Zoll (142 bis 145 cm) |
| 62 Zoll | 58 bis 59 Zoll (147,5 bis 150 cm) |
| 64 Zoll | 60 bis 61 Zoll (152,5 bis 155 cm) |
| 66 Zoll | 62 bis 63 Zoll (157,5 bis 160 cm) |
| 68 Zoll | 64 bis 65 Zoll (162,5 bis 165 cm) |
| 70 Zoll | 66 bis 67 Zoll (167,5 bis 170 cm) |
| 72 Zoll | 68 bis 69 Zoll (172,5 bis 175,5 cm) |
Welche Länge dein Bogen hat, steht meist auf dem Wurfarm oder im Datenblatt. Falls nicht, hilft der Beitrag zur Bogenlänge weiter.
Wie du in der Praxis zur richtigen Länge kommst
- Nach Bogenlänge bestellen, nicht nach Sehnenlänge. Danach fragt jeder Shop, und die Umrechnung macht er.
- Die Angabe des Herstellers hat Vorrang, wenn es eine gibt. Bei modernen Recurvebögen nennen die wenigsten eine.
- Im Zweifel die alte Sehne nachmessen, während sie aufgespannt unter Spannung steht. Das ist der einzige Weg, der ohne Annahmen auskommt.
- Die Standhöhe entscheidet am Ende. Liegt sie mit einer neuen Sehne trotz Eindrehen dauerhaft außerhalb des Bereichs, den der Hersteller nennt, ist die Sehne für diesen Bogen zu lang oder zu kurz.
Warum auf der Verpackung eine andere Zahl steht
Bestellt wird nach der Bogenlänge, nicht nach der Sehnenlänge. Auf der Verpackung stehen dann häufig beide Angaben, etwa so:
- Bow length: 70 inch
- String length: 67 inch
Zwei Längen für eine Sehne, und keine davon ist die, die man ausgewählt hat. Genau hier kommen die Anrufe her. Es ist aber alles richtig. „Bow length” ist der Bogen, für den die Sehne gedacht ist, „String length” die tatsächliche Länge des Stücks in der Tüte. Die Differenz liegt in der Spanne aus der Tabelle. Manchmal steht auch nur eine der beiden Angaben darauf, dann hilft ein Blick auf die Zahl Passt sie zur Bogenlänge oder zur Sehnenlänge deines Bogens?
Bei flämisch gespleißten Sehnen kommt noch etwas dazu: Sie werden oft etwas länger gefertigt, weil sie beim Eindrehen kürzer werden. Und traditionelle Bögen aus kleinen Werkstätten folgen ohnehin keiner Norm, dort ist die Streuung am größten.
Standhöhe: der Abstand zwischen Sehne und Griff
Die Standhöhe ist der senkrechte Abstand von der Sehne bis zum tiefsten Punkt des Griffstücks, dem Pivot-Punkt. Sie ist der wichtigste Wert, den du über die Sehne einstellst, und sie entscheidet mit darüber, wie ruhig und wie leise dein Bogen schießt.
Gemessen wird mit einem Sehnenmaßstab, dem gleichen T-förmigen Werkzeug, das auch beim Setzen des Nockpunkts zum Einsatz kommt. Die Richtwerte hängen an der Bogenlänge, die Faustformel dazu steht im Beitrag zur Bogenlänge: Für einen 68-Zoll-Bogen liegt der übliche Bereich zwischen 8,5 und 9,3 Zoll. Hat der Hersteller einen Wert angegeben, hat der Vorrang.
Woran du merkst, dass die Standhöhe nicht stimmt:
- Zu niedrig: Der Schuss wird laut und schlägt spürbar in die Bogenhand. Die Sehne kommt außerdem näher an deinen Unterarm.
- Zu hoch: Der Bogen wirkt zahm, der Pfeil wird langsamer.
- Metallisches Scheppern nach dem Schuss: ein typisches Zeichen für eine zu geringe Standhöhe oder eine Sehne, die sich gelängt hat.
Sehne eindrehen: die Standhöhe verändern
Eindrehen verkürzt die Sehne, und eine kürzere Sehne hebt die Standhöhe an. Ausdrehen macht sie länger und senkt die Standhöhe. Mehr als die Spannschnur und einen Sehnenmaßstab brauchst du dafür nicht.
- Bogen abspannen. Mit der Spannschnur, nicht mit dem Fuß und schon gar nicht mit der Durchsteigetechnik.
- Obere Schlaufe aushängen. Die untere kann in der Kerbe bleiben.
- In Richtung der vorhandenen Drehung drehen. Sieh vorher hin, in welche Richtung die Sehne gedreht ist. Eine feste Regel gibt es nicht, das hängt vom Hersteller ab.
- Wieder aufspannen und messen. Wenige Umdrehungen auf einmal, dann nachmessen. Der Weg über mehrere kleine Schritte geht schneller als einmal raten.
Wie viele Umdrehungen zu viel sind
Eine Sehne, die sich sichtbar wellt oder deren Mittenwicklung zu wandern beginnt, ist überdreht. Dann ist die Sehne schlicht zu lang für den Bogen, und die richtige Länge löst das Problem dauerhaft.
Bei flämisch gespleißten Sehnen kommt eine Regel dazu: Sie brauchen immer eine Grunddrehung, sonst arbeitet sich der Spleiß auf. Eine flämische Sehne wird deshalb nie glatt ausgedreht.
Und eine neue Dacron-Sehne längt sich in der Einschießphase. Miss die Standhöhe in den ersten Trainingseinheiten jedes Mal nach und dreh nach, sonst rutscht sie unbemerkt unter den Sollwert.
Welches Ende der Sehne gehört nach oben?
Die größere Schlaufe gehört nach oben. Der Grund ist das Aufspannen. Die obere Schlaufe muss sich über den Wurfarm schieben lassen, bis der Bogen genug gebogen ist, während die kleine unten in ihrer Kerbe bleibt. Mit einer zu kleinen Schlaufe oben geht das nicht.
Sind beide Schlaufen gleich groß, ist die Richtung zunächst egal. Sobald der Nockpunkt gesetzt ist, drehst du die Sehne aber nicht mehr um. Der Nockpunkt hat einen festen Abstand zum unteren Ende, und mit vertauschten Enden sitzt er falsch.
Die Sehne pflegen: wachsen, prüfen, lagern
Wachsen: Sehnenwachs dünn auftragen und mit einem Stück Leder oder festem Papier einreiben, bis es warm wird und einzieht. Das Wachs hält die Stränge zusammen und die Feuchtigkeit draußen. Die Wicklungen bleiben dabei ausgespart, dort gehört kein Wachs hin.
Wie oft: Nicht nach Kalender, sondern nach Aussehen. Sobald die Sehne pelzig wirkt und einzelne Fasern abstehen, ist sie fällig. Bei regelmäßigem Training läuft das auf alle paar Wochen hinaus.
Prüfen: Vor dem Schießen einmal durch die Finger laufen lassen. Achte auf die Schlaufen, dort sitzt der Verschleiß am ehesten, und auf die Wicklung rund um den Nockpunkt.
Lagern: Trocken und ohne direkte Sonne. Langbögen und traditionelle Bögen werden nach dem Schießen abgespannt, das schont Wurfarme und Sehne gleichermaßen.
Wann eine Sehne ersetzt werden muss
Sofort ersetzen, sobald einer dieser Punkte zutrifft:
- Ein Einzelstrang ist gerissen.
- Die Wicklung am Nockpunkt löst sich oder ist durchgescheuert.
- Eine Schlaufe ist aufgeraut oder ausgefranst.
- Die Sehne franst trotz regelmäßigem Wachsen weiter aus.
Geflickt wird nichts davon. Reißt eine Sehne im Vollauszug, wirkt das auf den Bogen wie ein Leerschuss. Die gesamte gespeicherte Energie geht in Mittelteil und Wurfarme statt in den Pfeil. Der Bogen kann dabei brechen, und die zurückschnellende Sehne kann die Zughand treffen.
Beim Compoundbogen gilt eine Sonderregel: Sehne und Kabel stehen dort unter so hoher Spannung, dass der Wechsel nur mit einer Bogenpresse geht. Das ist kein Fall für die eigene Werkbank, sondern für den Fachhandel.
Lohnt es sich, eine Sehne selbst zu bauen?
Reizvoll ist es: Du bestimmst Material, Strangzahl, Länge und Farbe bis ins Detail, und eine passgenaue Sehne für einen ungewöhnlichen Bogen ist manchmal der einzige Weg.
Dem steht die Anschaffung gegenüber. Ein Sehnengalgen, ein Wickelgerät und das Garn kosten ein Vielfaches einer fertigen Sehne, und die ersten Versuche landen erfahrungsgemäß im Müll. Für die meisten Schützen rechnet sich das nicht. Wer mehrere Bögen betreut, gern an der Werkbank steht oder ohnehin traditionell unterwegs ist, für den ändert sich die Rechnung. Als Einsteiger kaufst du besser fertig und steckst die Zeit ins Training.
Eine Sehne kaufen: die Checkliste
Diese fünf Angaben braucht der Händler von dir:
- Bogenart: Recurve, Langbogen oder Compound.
- Bogenlänge in Zoll: die Länge des Bogens, nicht die der Sehne.
- Zuggewicht: bestimmt die Strangzahl.
- Materialfreigabe: Fast Flight nur, wenn der Bogen dafür zugelassen ist, sonst Dacron.
- Nockengröße: damit die Wicklung in der passenden Stärke gefertigt wird.
Preislich liegen Sehnen für Einsteigerbögen im unteren zweistelligen Bereich, handgefertigte flämische Sehnen etwas darüber. Im Verhältnis zu dem, was der Rest der Ausrüstung kostet, ist das der kleinste Posten und zugleich der, an dem sich Sparen am wenigsten lohnt.
Fazit
Drei Angaben entscheiden über die richtige Sehne: die Bogenlänge, das freigegebene Material und die Strangzahl passend zur Nocke. Alles andere ist Feinabstimmung über die Standhöhe.
Geh nach dem Lesen einmal an deinen Bogen und miss die Standhöhe nach. Liegt sie unter dem Wert des Herstellers, hat sich deine Sehne gelängt, und ein paar Umdrehungen bringen den Bogen zurück in den Bereich, für den er gebaut ist.
Häufige Fragen
Was ist die Sehne für den Bogen?
Die Sehne verbindet die beiden Enden der Wurfarme und hält den Bogen im aufgespannten Zustand unter Spannung. Beim Ausziehen speicherst du Energie in den Wurfarmen, beim Lösen ziehen die Wurfarme die Sehne nach vorn und die Sehne schiebt den Pfeil. Sie ist außerdem der Ort, an dem der Nockpunkt sitzt, also die Stelle, an der der Pfeil eingehängt wird.
Wird der Bogen stärker, wenn ich eine andere Bogensehne kaufe?
Nein. Das Zuggewicht bestimmen die Wurfarme, nicht die Sehne. Ein anderes Sehnenmaterial kann den Pfeil etwas schneller machen, weil weniger Energie in der Dehnung verloren geht, aber der Bogen zieht sich deshalb nicht schwerer. Wer mehr Zuggewicht will, braucht andere Wurfarme oder einen anderen Bogen.
Wie lang muss die Bogensehne sein?
Als Faustregel 3 bis 4 Zoll kürzer als die angegebene Bogenlänge. Ein 68-Zoll-Bogen braucht also eine Sehne zwischen 64 und 65 Zoll. Genauer geht es pauschal nicht: Die alte AMO-Norm stammt aus der Zeit einteiliger Bögen, und moderne Systeme weichen davon ab. Bestellt wird nach der Bogenlänge, weil die Hersteller ihre Sehnen so kennzeichnen. Im Zweifel misst du die alte Sehne nach, während sie unter Spannung auf dem Bogen sitzt.
Darf ich eine Fast-Flight-Sehne auf jedem Bogen schießen?
Nein. Bögen ohne verstärkte Tips sind dafür nicht ausgelegt. Die geringe Dehnung von Fast Flight nimmt dem Bogen die Dämpfung, und im schlimmsten Fall reißt es die Enden der Wurfarme auf. Ob dein Bogen freigegeben ist, steht in der Herstellerangabe. Findest du nichts, bleibt Dacron die sichere Wahl.
Wie oft muss ich meine Bogensehne wechseln?
Bei regelmäßigem Training etwa einmal im Jahr, bei gelegentlichem Schießen deutlich seltener. Entscheidend ist aber nicht der Kalender, sondern der Zustand: Ein gerissener Einzelstrang, eine aufgelöste Wicklung am Nockpunkt oder aufgeraute Schlaufen bedeuten sofort eine neue Sehne.