Der Schussablauf beim Bogenschießen: in neun Schritten zum sauberen Schuss
Richtig bogenschießen lernen. Der Schussablauf in neun Schritten, vom Stand über Ankerpunkt und Lösen bis zum Nachhalten, mit den häufigsten Anfängerfehlern.
Inhaltsverzeichnis 18 Abschnitte
- Was vor dem ersten Schritt geklärt sein muss
- Die neun Schritte im Überblick
- Schritt 1: Der Schuss beginnt im Kopf
- Schritt 2: Stand und Grundhaltung
- Offener und geschlossener Stand
- Schritt 3: Den Pfeil einlegen
- Schritt 4: Die Sehne greifen
- Schritt 5: Den Bogen greifen und den Arm ausrichten
- Schritt 6: Kontrollieren, Kopf drehen, Bogen heben
- Schritt 7: Spannen und ankern
- Der Ankerpunkt
- In die Kraftlinien kommen
- Schritt 8: Zielen und lösen
- Schritt 9: Nachhalten und analysieren
- Was die Zughand dir verrät
- Warum die Trefferlage weniger verrät
- Die Pause danach
- Fazit
Bogenschießen sieht nach zwei Handgriffen aus. Pfeil auflegen, ziehen, loslassen. Wer es zum ersten Mal versucht, merkt schnell, dass dazwischen deutlich mehr passiert, und dass der Pfeil ziemlich zuverlässig überall landet, nur nicht dort, wo er sollte. Dieser Ratgeber zerlegt den Bewegungsablauf in neun Schritte, vom Stand bis zum Nachhalten, und sagt an jeder Stelle, worauf es ankommt und was Anfänger typischerweise falsch machen.
Vorweg ein kurzer Hinweis. Die Zahl neun ist eine Hilfskonstruktion. Denselben Ablauf kannst du in zwei Punkte fassen, Spannen und Lösen, oder in gut zweihundert Einzelbewegungen zerlegen, wenn du genau genug hinsiehst. Beides beschreibt dasselbe. Es geht also nicht darum, eine Reihenfolge auswendig zu lernen, sondern darum, die eigene Bewegung nach und nach zu spüren. Der hier beschriebene Ablauf heißt je nach Verein Grundschuss, Standardschuss oder Lehrschuss. Das Wort Anfängerschuss ist ebenfalls gebräuchlich und irreführend, denn dieselbe Technik schießen auch Leute, die seit dreißig Jahren dabei sind.
Was vor dem ersten Schritt geklärt sein muss
Drei Dinge gehören vor die Bewegung, sonst übst du eine Technik ein, die nicht zu dir passt.
Deine Augendominanz: Welches Auge führt, entscheidet darüber, ob du einen Rechtshand- oder einen Linkshandbogen brauchst, und zwar unabhängig davon, mit welcher Hand du schreibst. Wie du das in zwei Minuten testest, steht im Beitrag zu Rechtshand oder Linkshand. Hier setzen wir voraus, dass diese Frage beantwortet ist.
Ein niedriges Zuggewicht: Zuggewicht ist die Kraft, die du zum Ausziehen der Sehne brauchst, angegeben in Pfund. Es ist der wichtigste Hebel beim Techniklernen, und zwar nach unten. Ein zu schwerer Bogen bringt dir Ausweichbewegungen bei, die du später nur mühsam wieder loswirst, und er ist die häufigste Ursache für Überlastungsschäden an der Schulter. Nicht das Gewicht an sich richtet den Schaden an, sondern wie oft und wie lange du es hältst. Welche Werte für dich sinnvoll sind, klärt der Beitrag zum Zuggewicht. Sprüche über Mindestpfundzahlen, die im Verein oder am Parcours fallen, kannst du getrost überhören.
Ein sicherer Platz: Ein Bogen ist kein Spielzeug, und ein Pfeil bleibt hinter dem Ziel nicht stehen. Wo du schießen darfst und welche Regeln auf dem Platz gelten, steht in den Sicherheitsregeln.
Die neun Schritte im Überblick
| Schritt | Was passiert | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| 1 | Mentale Vorbereitung | Immer gleiches Ritual, Aufmerksamkeit weg vom Ergebnis |
| 2 | Stand und Grundhaltung | Gewicht auf der ganzen Fußfläche, Knie nicht durchgestreckt |
| 3 | Pfeil einlegen | Immer gleiche Bewegung, Spitze nie zur Bogenhand |
| 4 | Sehne greifen | Tiefer Haken, drei Finger gleichmäßig belastet |
| 5 | Bogen greifen, Arm einrichten | Druck auf dem Daumenballen, Ellbogen ausgedreht |
| 6 | Kontrollieren, Kopf drehen, Bogen heben | Nur der Kopf dreht sich, Schultern bleiben tief |
| 7 | Spannen und ankern | Kraft aus Schulter und Rücken, Hand an immer gleicher Stelle |
| 8 | Zielen und lösen | Spannung minimal erhöhen, Finger entspannen |
| 9 | Nachhalten und analysieren | Eine Sekunde stehen bleiben, dann nüchtern nachdenken |
Schritt 1: Der Schuss beginnt im Kopf
Der Punkt, den Hobbyschützen am zuverlässigsten überspringen. Bevor du den Bogen anfasst, verabschiedest du dich kurz vom Rest des Tages. Ein immer gleiches, kleines Anfangsritual hilft dabei. Das kann eine bestimmte Bewegung sein, ein Satz, den du dir denkst, oder ein Bild, das du dir vorstellst. Wichtig ist allein, dass es jedes Mal dasselbe ist.
Dabei prüfst du nebenbei deinen aktuellen geistigen und körperlichen Zustand, also ob du zu aufgedreht oder zu müde bist. Mit der Zeit entwickelst du ein Gefühl dafür, und oft genügt schon das Ritual, um in die richtige Spannung zu kommen.
Ab hier liegt deine Aufmerksamkeit nur noch bei dem, was du tust. Nicht beim Ziel, nicht bei möglichen Treffern, nicht beim letzten Fehlschuss. Gedanken sind störrisch, sie wandern trotzdem dorthin. Das ist normal. Du holst sie einfach zurück, sobald du es bemerkst.
Schritt 2: Stand und Grundhaltung
Ohne Fundament nützt das beste Haus nichts. Jede Änderung deiner Fußstellung verändert die Ausrichtung des ganzen Körpers und die Spannung darin, deshalb steht der Stand am Anfang und wird später noch zweimal geprüft.
Als Anfänger nimmst du den parallelen Stand. Die Schussebene, also die gedachte Linie zum Ziel, verläuft gleichmäßig zwischen beiden Füßen hindurch. Die Füße stehen schulter- bis hüftbreit, ungefähr parallel oder leicht v-förmig, je nachdem, wie du bequem und stabil stehst. Das Gewicht verteilst du gleichmäßig auf beide Füße und über die ganze Fußfläche, nicht auf die Ballen und nicht auf die Fersen.
Die Knie streckst du nie ganz durch. Durchgestreckte Knie machen den Stand wackelig statt fest. Sie bleiben leicht ausgehängt, bei Bedarf etwas gebeugt.
Jetzt zum Oberkörper. Durch ein leichtes Anheben der Hüfte und eine sachte Bewegung nach vorn kommst du in eine kraftvolle Grundhaltung. Zwei Wege dorthin, such dir einen aus.
- Der Bauchklatscher: Klopf dir mit der flachen Hand etwas kräftiger auf den Bauchnabel. Dein Körper spannt unwillkürlich den Beckenboden an und zieht den Nabel ein, der Oberkörper kommt leicht nach vorn. Forcier das ein wenig, entspann dann Bauch und Beckenboden wieder, aber lass die Haltung stehen.
- Die zehn Zentimeter: Stell dich normal hin und lass die Arme hängen, die Hände berühren locker die Oberschenkel. Jetzt verschiebst du die Hüfte so lange, bis sich deine Hände nach vorn in Richtung Zehen bewegen und etwa zehn Zentimeter Abstand zu den Oberschenkeln haben.
Offener und geschlossener Stand

Die gestrichelte Linie ist die Schussebene. Beim offenen Stand weicht der vordere Fuß von ihr zurück, beim geschlossenen tritt er über sie hinaus.
Später wirst du Schützen sehen, die anders stehen. Beim offenen Stand ist der hintere Fuß zur Schussebene hin vorgerückt, die Hüfte öffnet sich zum Ziel. Das kostet mehr Kraft, verkürzt den Auszug etwas und macht ungewollte Drehbewegungen wahrscheinlicher. Beim geschlossenen Stand ist es umgekehrt, der vordere Fuß steht weiter zum Ziel. Der Auszug wird etwas länger, aber der Bogenarm dreht nach hinten und der Abstand zwischen Sehne und Arm wird geringer.
Beim geschlossenen Stand lohnt ein zweiter Blick. Er ist auffällig häufig bei Schützen zu sehen, die zu viel Zuggewicht schießen. Sie drehen sich beim Heben als Ganzes in die Spannung hinein und verdrehen dabei den unteren Rücken. Das funktioniert eine Weile und rächt sich irgendwann am Rücken.
Schritt 3: Den Pfeil einlegen
Eine immer gleiche Bewegung hält dich im Rhythmus, und ein schief eingelegter Pfeil fliegt schlechter.
Greif den Pfeil an der Nocke, also am hinteren Ende, mit dem er auf der Sehne sitzt. Führ ihn mit der Spitze nach unten oder nach vorn entweder über den Bogen oder an deinem Bogenarm entlang zur Pfeilauflage. Den Bogen hältst du dabei leicht schräg. Die Nocke schiebst du dann so auf die Sehne, dass ihre Oberkante direkt an der Unterkante des Nockpunktbegrenzers abschließt. Was der Nockpunkt ist und wie du ihn setzt, steht im Beitrag zum Nockpunkt, die passende Auflage behandelt der Beitrag zur Pfeilauflage.
Eine Variante solltest du dir gar nicht erst angewöhnen. Viele Anfänger führen den Pfeil schräg zwischen Sehne und Bogen hindurch, weil das Handgelenk dabei bequemer liegt und man die Nocke besser sieht. Dabei kann die Spitze abrutschen und in den Bogen oder in die eigene Bogenhand fahren. Der Umweg über den Bogen kostet eine halbe Sekunde und schließt das aus.
Schritt 4: Die Sehne greifen
Während du die Finger platzierst, schauen deine Augen zu. Halt den Bogen ein Stück vom Körper weg, sodass der Pfeil etwa 45 Grad nach unten zeigt, und lass den Bogenarm locker.
Zeige-, Mittel- und Ringfinger hängst du mit dem vordersten Fingergelenk in die Sehne, sodass die Finger einen tiefen, aber nicht verkrampften Haken bilden. Sie stehen dabei im rechten Winkel zur Sehne, das Handgelenk bleibt entspannt, Daumen und kleiner Finger machen nichts. Handrücken und Zugfinger bilden eine Linie.

Die Sehne liegt im vordersten Fingergelenk. Daumen und kleiner Finger bleiben dabei entspannt.
Es gibt zwei gängige Griffe. Beim mediterranen Griff liegt der Zeigefinger über dem Pfeil, die anderen beiden darunter. Beim Drei-Unter-Griff liegen alle drei Finger unter dem Pfeil. Der Pfeil wird dabei nie zwischen den Fingern eingeklemmt, die Finger liegen entweder sanft an oder halten einen immer gleichen Abstand.
Grifftechniken in die Sehne: mediterran und drei unter im Vergleich
Vergleicht die beiden Arten, die Sehne mit den Fingern zu greifen. Beim mediterranen Griff liegt der Pfeil zwischen Zeige- und Mittelfinger, beim Drei-Unter-Griff liegen alle drei Finger darunter. Geht sieben Unterschiede durch und sagt, für wen sich der geteilte Griff lohnt.
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Der Unterschied wirkt sich auf die Entfernung aus, auf die du ohne Hilfsmittel treffen kannst. Drei-Unter bringt den Pfeil näher ans Auge, mediterran weiter weg, was auf lange Distanzen von Vorteil ist. Für den Anfang ist beides richtig, solange du dabei bleibst.

Mediterraner Griff. Der Zeigefinger liegt über dem Pfeil, die beiden anderen darunter.

Drei-Unter-Griff. Alle drei Finger liegen unter dem Pfeil, dadurch rückt er näher ans Auge.
Zwei Details entscheiden mehr, als man vermutet. Die Hakentiefe darf zu deiner Anatomie passen, sie muss aber jedes Mal gleich sein und darf nicht lasch werden. Zu weit vorn an den Fingerkuppen gegriffen kostet Kraft und macht die Fingerspitzen taub, zu weit in Richtung Handfläche verhindert ein sauberes Lösen. Und dann ist da der Ringfinger, das Stiefkind unter den Zugfingern. Liegt er nur zum Schein auf der Sehne, lenkt er sie beim Lösen ab. Verteil das Gewicht bewusst gleichmäßig auf alle drei. Ohne einen Fingertab oder Handschuh dazwischen wird das ohnehin nichts, welche Variante wofür taugt, vergleicht der Beitrag zum Fingerschutz.
Schritt 5: Den Bogen greifen und den Arm ausrichten
Öffne die Bogenhand und bilde mit gestreckten Fingern und abgespreiztem Daumen ein V. Dann richtest du sie so aus, dass der Druck des Bogens auf dem Daumenballen liegt, ungefähr in dessen Mitte. Schaust du jetzt auf deine Fingerknöchel, bilden sie eine Treppe von etwa 45 Grad. Deshalb heißt das der Treppchengriff. Zwischen dem Griffstück und dem unteren Teil deiner Handfläche bleibt dabei Luft.

So liegt die Bogenhand am Griffstück. Entscheidend ist, dass der Bogen nie fester gehalten wird als unbedingt nötig.
Damit der Bogen nach dem Schuss nicht davonfliegt, schließt du den Zeigefinger leicht, sodass er mittig am Bogenrücken anliegt. Die übrigen Finger bleiben entspannt.
Grundregel: Der Bogen wird nie fester gehalten als unbedingt nötig. Leichtere Bögen und solche mit traditionellem Griff verlangen etwas mehr Zugriff, das Treppchen bleibt trotzdem.
Der Bogenarm ist normal gestreckt, aber auf keinen Fall überstreckt. Streckst du durch, wandert der Ellbogen nach innen und kommt der Sehne in die Quere. Genau das passiert Anfängern durch die ungewohnte Anstrengung ständig, und die Sehne trifft beim Lösen den Unterarm.
Ein Armschutz, der über die Armbeuge reicht, fängt das ab, solange die Technik noch schwankt. Welche Länge sinnvoll ist, klärt der Beitrag zum Armschutz.
Zum Schluss drehst du die Ellbogenspitze etwas nach oben aus, der Oberarm dreht dabei einwärts mit. Die Armbeuge steht dann annähernd senkrecht, und die Sehne hat Platz.
Ein Maß zur Kontrolle: Bei richtigem Griff zweigt deine Bogenhand in etwa 40 Grad nach oben vom Unterarm ab. Je weiter du davon abweichst, nach oben oder nach unten, desto anstrengender wird das Halten und desto eher schiebst du den Bogen im Lösen zur Seite.
Schritt 6: Kontrollieren, Kopf drehen, Bogen heben
Jetzt prüfst du den Stand noch einmal. Das klingt übertrieben, ist es aber nicht. Während du Pfeil, Sehne und Bogenhand eingerichtet hast, hat sich die Körperhaltung mit hoher Wahrscheinlichkeit unbemerkt verändert.
Sieh außerdem kurz zum Ziel und prüf, ob du wirklich auf der richtigen Schussebene stehst. Merkst du erst im Auszug, dass du schief stehst, wirst du versuchen, das mit dem Bogenarm auszugleichen. Das ist genau der Fehler, den es zu vermeiden gilt. Die seitliche Ausrichtung macht der Stand als Ganzes, nicht der Arm.
Dann drehst du den Kopf zum Ziel, und zwar nur den Kopf. Das Kinn bleibt auf gleicher Höhe, der Oberkörper dreht nicht mit. Als Richtwert denkst du dir von der Kinnspitze eine Linie nach unten, die etwa am Brustansatz endet. Das Gesicht bleibt dabei entspannt, das hilft dir später, den Ankerpunkt zu erspüren.
Nun hebst du den Bogenarm in einer gleichmäßigen Bewegung nach oben, mit ganz leichter Vorspannung auf der Sehne. Der Zugarm folgt, der Unterarm bleibt etwa waagerecht und in der Verlängerung des Pfeils. Ihr nähert euch dem T, bei dem Körper und Arme ungefähr diese Form bilden. Die Bogenhand kommt knapp über die Schulterlinie auf Mundhöhe, die Zughand etwas höher auf Nasenhöhe. Die Schulterlinie darf sich dabei leicht zum Ziel öffnen, aber nicht weiter als etwa 20 Grad.
Und dann kontrollierst du ein letztes Mal, diesmal von unten nach oben. Zwei Dinge verrutschen beim Heben besonders gern. Der Schwerpunkt wandert nach hinten, die kraftvolle Grundhaltung geht verloren. Und der Bogenarm wird doch überstreckt oder der Ellbogen dreht zurück.
Der wichtigste Punkt betrifft die Schulter. Die Bogenschulter ist die größte Fehlerquelle beim Abschuss und zugleich der Körperteil, der im Bogensport am ehesten Schaden nimmt. Sie soll tief bleiben und arretiert sein, nicht hochgezogen und nicht nach hinten gezogen. Ein einfacher Weg, ein Gefühl dafür zu bekommen: Stell dich ohne Bogen in die Position, zieh die Bogenschulter mehrmals bewusst hoch und lass sie wieder fallen. Danach dasselbe mit dem Bogen in der Hand. Merkst du beim Spannen, dass die Schulter hochkommt, fang von vorn an. Mit Gewalt geht hier gar nichts.
Schritt 7: Spannen und ankern
Der Spannvorgang heißt Push and pull, drücken und ziehen, und das beschreibt ihn genau. Anfänger ziehen die Sehne fast immer mit dem Arm und führen dabei den Ellbogen nach unten. Die Kraft kommt aber aus Schulter und Rücken. Deine Bogenschulter wandert nach vorn Richtung Ziel, die Zugschulter nach hinten und etwas nach unten. Nach vorn und nach hinten sollte sich das gleich anfühlen.
Der Bogenarm bleibt dabei arretiert, Hand und Ellbogen genau so, wie du sie eingerichtet hast. Der Zugarm bleibt auf einer Linie mit dem Pfeil. Die Bewegung wird langsamer, je näher die Zughand an ihr Ziel kommt.
Diese Bewegung ist ungewohnt, und die Muskeln dafür sind am Anfang schlicht nicht da. Sie lässt sich gut trocken üben, mit einem Gummiband oder ganz ohne Hilfsmittel. Je leichter dein Bogen ist, desto schneller lernst du sie.
Der Ankerpunkt
Ankern heißt, die Zughand an eine immer gleiche Stelle im Gesicht zu legen. Nur so ziehst du jedes Mal gleich weit aus, und nur so startet der Pfeil immer mit derselben Geschwindigkeit. Es gibt drei gebräuchliche Positionen.
| Anker | Wo die Hand liegt | Wofür |
|---|---|---|
| Seitenanker | Der Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger liegt in der Biegung des Unterkiefers, der Daumen darunter, die Zeigefingerspitze am Mundwinkel | Schießen ohne Visier, weil Auge und Pfeil nah beieinander bleiben |
| Seitenkinn-Anker | Etwas tiefer, Zeige- und Mittelfinger liegen vorn am Kinn, die Sehne berührt die Nase | Blankbogen, vor allem beim Abgreifen der Sehne für verschiedene Distanzen |
| Unterkinn-Anker | Die Oberkante des Zeigefingers schließt mit der Unterkante des Kiefers ab, die Sehne liegt an Kinnkante und Nasenspitze | Olympischer Recurvebogen mit Visier |

Von oben nach unten. Seitenanker am Kiefer, Seitenkinn-Anker am Kinn, Unterkinn-Anker unter dem Kiefer. Die Hand wandert mit jeder Stufe tiefer, der Abstand zwischen Auge und Pfeil wächst.
Wenn du ohne Visier schießt, ist der Seitenanker die naheliegende Wahl. Wichtig dabei: Die Hand gehört in die Biegung des Unterkiefers, der Daumen liegt unter der Kinnlade, nicht daneben. Ob die Zeigefingerspitze genau den Mundwinkel trifft, hängt von deinen Fingerlängen ab und ist zweitrangig.
Von allem, was davon abweicht, wirst du am Platz einiges sehen. Hand an der Wange, Anker direkt unter dem Auge, Daumen hinter dem Ohr. Vieles davon funktioniert auf kurze Distanz. Es wird nur mit jeder Abweichung fehleranfälliger und belastet Gelenke stärker als nötig.
In die Kraftlinien kommen
Mit dem Ankern oder kurz danach kommst du in die sogenannten Kraftlinien. Von oben betrachtet bilden Pfeil und Zugunterarm, Zugoberarm sowie Bogenarm und Rückenlinie ein Dreieck. Dieses Dreieck ist eine Vereinfachung, exakt einnehmen lässt es sich gar nicht. Lägen Bogenarm und beide Schultern wirklich auf einer Linie, bliebe kein Platz für die Sehne.
Als Idee ist es trotzdem nützlich, und du kannst es selbst ausprobieren. Nimm den Zugellbogen einmal bewusst aus der Linie des Pfeils heraus. Du wirst merken, dass die Haltung schwerer wird und das Lösen ebenfalls. In der Höhe liegt der gedachte verlängerte Pfeil etwa auf Höhe der Ellbogenunterkante. Je näher du an diese Linien kommst, desto weniger Kraft brauchst du und desto ruhiger steht das Ganze.
Vielleicht klingt das gerade nach sehr viel. Bogenschießen ist aber in erster Linie ein Sport der Körperwahrnehmung. Beschreibungen wie diese sollen dich nur in die richtige Richtung schubsen, damit du die passende Haltung schneller findest. Fühlen musst du sie selbst.
Schritt 8: Zielen und lösen
Zum Zielen gibt es mehrere Verfahren, vom Visier über das Halten unter das Ziel bis zum rein gefühlsmäßigen Schießen. Welches wofür taugt, behandelt der Beitrag zum intuitiven Bogenschießen. Für den Schussablauf zählen vier Punkte.
- Beide Augen bleiben offen, wenn es irgend geht. Andernfalls deckst du das Auge, das nicht über dem Pfeil liegt, mit einer Schießbrille ab, statt es dauerhaft zuzukneifen.
- Der Blick stellt auf das Ziel scharf, nicht auf die Pfeilspitze und nicht auf das Visier.
- Höchstens ein Drittel deiner Aufmerksamkeit gehört dem Zielen. Der Rest bleibt beim Körper. Das ist der Punkt, an dem die meisten Anfänger die Gewichtung genau umdrehen.
- Am Anfang zielst du fast gar nicht. Übe den Ablauf auf kurze Distanz, ohne Höhenunterschied, gegen einen Dämpfer oder eine Zielscheibe ohne Auflage. Solange die Bewegung nicht halbwegs gleich abläuft, kannst du ohnehin nicht unterscheiden, ob du schlecht gezielt oder schlecht geschossen hast.
Wenn du das Gefühl hast, dass alles passt, erhöhst du die Spannung minimal weiter. Dieselbe Bewegung wie beim Spannen, nur so klein, dass sie von außen kaum zu sehen ist. Als Maß gilt: Der Pfeil wandert dabei höchstens 5 Millimeter nach hinten, mit etwas Übung höchstens 2. Wandert er mehrere Zentimeter, war deine Rückenspannung vorher nicht aufgebaut.
Und das Lösen selbst? Es geschieht einfach. Die letzte Bewegung, die du bewusst einleitest, ist die Spannungserhöhung. Danach entspannen deine Zugfinger nur noch, und die Sehne öffnet sie von allein. Du drückst also nichts weg und lässt nichts los. Klappt das nicht, sind meist nicht nur die Zugfinger angespannt, sondern auch der Rest der Hand, das Handgelenk und der Unterarm.
Schritt 9: Nachhalten und analysieren
Nach dem Lösen bleibst du mindestens eine Sekunde stehen, als wäre der Körper eingefroren. Der Bogenarm zeigt weiter ins Ziel, als Rechtshandschütze wandert er allenfalls ein wenig nach links. Wandert er nach rechts, ist die Körperspannung im Lösen zusammengebrochen.
Danach denkst du kurz und nüchtern über den Schuss nach. Nicht hadern, sondern feststellen, was besser gehen könnte. Fehlerfreie Schüsse sind die Ausnahme, und das bleibt so. Was sich mit der Zeit ändert, sind Anzahl und Ausmaß der Fehler.
Was die Zughand dir verrät
Die Bewegung deiner Zughand nach dem Lösen ist die ehrlichste Rückmeldung, die du bekommst, und du kannst sie ohne Trainer auswerten.
| Was die Hand macht | Was das bedeutet |
|---|---|
| Bleibt am Kopf kleben | Du hast nicht ausreichend aus der Spannungserhöhung gelöst |
| Geht nach vorn | Die Körperspannung ist im Lösen zusammengefallen |
| Geht seitlich vom Kopf weg | Du hast die Finger bewusst geöffnet |
| Fliegt nach oben oder weit zur Seite | Du hast mit einem Muskelimpuls an der Sehne gerissen |
Richtig wandert die Hand am Hals entlang nach hinten und kommt irgendwo am Ohr oder Nacken zur Ruhe, mit leichtem Kontakt zum Kopf.
Warum die Trefferlage weniger verrät
Naheliegend wäre, den Schuss am Treffer zu bewerten. Das führt in die Irre, aus vier Gründen. Liegen die Pfeile weit gestreut, ist ein Treffer ins Gold vor allem Glück. Mehrere Fehler im Ablauf können sich gegenseitig aufheben. Höhenabweichungen können vom Zielen oder von der Bewegung kommen. Und das Material, vor allem die Pfeile, redet ebenfalls mit.
Daraus folgt der wichtigste Übungstipp in diesem Ratgeber. Schieß auf höchstens zehn Meter, ohne Höhenunterschied, gegen einen Dämpfer ohne Auflage. Wenn deine Pfeile mit der Zeit enger beieinander stecken, wirst du auch merken, welche Bewegung einen einzelnen Pfeil aus der Gruppe getrieben hat.
Die Pause danach
Ein häufiges Bild am Schießplatz: Der Schuss sitzt nicht, der Schütze greift sofort zum nächsten Pfeil, der sitzt auch nicht, und so weiter, bis der Köcher leer ist. Der Ablauf wird dabei mit jedem Pfeil hastiger, im Kopf steht nur noch das Treffenwollen.
Widersteh dem, lass nach jedem Schuss Bogenarm, Zugarm und Schultern kurz locker hängen und atme einmal ruhig durch. Dann baust du den nächsten Schuss von unten neu auf. Damit schließt sich der Kreis zu Schritt 1, denn dein Schuss beginnt und endet im Kopf.
Fazit
Der Schussablauf ist eine zusammenhängende Bewegung, die sich in Etappen lernen lässt, nicht eine Liste, die man abarbeitet. Am meisten bringen dir am Anfang drei Dinge. Ein Zuggewicht, das dich nicht überfordert, eine tiefe und ruhige Bogenschulter und die Geduld, jeden Schuss einzeln aufzubauen. Nimm dir für die nächste Trainingseinheit einen einzigen Schritt vor, zum Beispiel den Haken der Zugfinger, und lass den Rest laufen. Ein Punkt pro Einheit bringt mehr als neun auf einmal.
Häufige Fragen
Wie viele Schritte hat der Schussablauf beim Bogenschießen?
So viele, wie du unterscheiden möchtest. Im einfachsten Fall sind es zwei, nämlich Spannen und Lösen. Wer sehr genau hinsieht, kommt auf zweihundert Einzelbewegungen. Neun Schritte sind ein brauchbarer Mittelweg zum Lernen, mehr nicht. Kein Trainer erwartet, dass du eine Zahl aufsagen kannst.
Wie halte ich den Bogen richtig?
Nicht fester als nötig. Der Druck des Bogens liegt etwa in der Mitte des Daumenballens, die Fingerknöchel bilden eine Treppe von rund 45 Grad, und zwischen Griff und Handfläche bleibt Luft. Der Zeigefinger liegt locker am Bogenrücken, damit der Bogen nach dem Schuss nicht wegfällt. Wer den Bogen mit der ganzen Hand umfasst, drückt das Handgelenk nach innen und bringt den Unterarm in die Bahn der Sehne.
Muss ich beim Bogenschießen ein Auge zukneifen?
Nein, besser nicht. Wenn möglich, bleiben beide Augen offen. Gelingt dir das nicht, decke das Auge, das nicht über dem Pfeil liegt, mit einer Schießbrille ab. Dauerhaftes Zukneifen ermüdet und wird mit der Zeit unangenehm.
Woran merke ich, dass mein Bogen zu schwer ist?
Ein guter Test ist der Vollauszug. Steht deine Bogenschulter tief und arretiert und passt das Zuggewicht, spürst du dort kaum Anstrengung. Musst du die Schulter hochziehen, zitterst du oder bekommst du den Auszug nur mit Schwung zustande, ist der Bogen zu stark. In der Lernphase gilt außerdem, dass nicht das Gewicht allein schadet, sondern Häufigkeit und Dauer der Belastung.
Wie lange muss ich nach dem Lösen nachhalten?
Mindestens eine Sekunde. Der Körper bleibt in der erreichten Haltung stehen, als wäre er eingefroren, der Bogenarm zeigt weiter ins Ziel. Wandert er als Rechtshandschütze nach rechts, ist deine Körperspannung im Lösen zusammengefallen.