Armschutz beim Bogenschießen: lang oder kurz, Material und Selbstbau
Armschutz beim Bogenschießen: warum die Sehne den Unterarm trifft, wann lang und wann kurz die richtige Wahl ist und wie du einen selbst baust.
Inhaltsverzeichnis 12 Abschnitte
Fast jeder im Bogensport macht diese Erfahrung einmal. Die Sehne schnellt nach vorn, trifft die Innenseite des Unterarms, und am nächsten Tag steht dort ein handtellergroßer blauer Fleck. Verhindern lässt sich das mit einem Ausrüstungsteil, das weniger kostet als ein Satz Pfeile.
Ein Armschutz ist ein Streifen aus Leder oder Kunststoff, der die Innenseite des Unterarms abdeckt und mit Riemen oder einer Schnürung gehalten wird. Er sitzt am Bogenarm, also an dem Arm, der den Bogen hält, nicht an dem, der die Sehne zieht. Zusammen mit dem Fingerschutz gehört er zur Grundausstattung im Bogensport.
Hier geht es darum, warum die Sehne den Arm überhaupt trifft, wann die lange und wann die kurze Ausführung passt, worin sich Leder und Kunststoff unterscheiden und wie du dir einen Armschutz selbst baust.
Warum die Sehne den Unterarm trifft
Beim Lösen schnellt die Sehne nach vorn und läuft dabei sehr dicht am Bogenarm vorbei. Wie dicht, entscheiden Haltung und Einstellung. Steht der Arm auch nur wenige Millimeter zu weit in der Bahn, streift die Sehne ihn mit voller Geschwindigkeit.
Drei Ursachen stecken fast immer dahinter:
- Die Schusstechnik sitzt noch nicht. Das ist der Normalfall am Anfang. Ein voll durchgedrückter Ellenbogen dreht das Gelenk in die Sehnenbahn hinein, eine leichte Beugung nimmt es wieder heraus.
- Die Standhöhe ist zu gering. Damit ist der Abstand zwischen Sehne und dem tiefsten Punkt des Griffstücks gemeint. Ist er kleiner als vom Hersteller vorgesehen, schlägt die Sehne weiter durch und kommt dem Arm näher. Bei einem 68-Zoll-Bogen liegt der übliche Bereich zwischen 8 und 8,5 Zoll, messen und einstellen kannst du ihn nach der Anleitung im Beitrag zur Bogensehne.
- Die Kleidung ist zu weit. Ein loser Ärmel genügt, damit die Sehne hängen bleibt.
Ein Armschutz nimmt in allen drei Fällen die Folge, nicht die Ursache. Wenn die Sehne bei jedem zweiten Schuss anschlägt, ist das ein Hinweis auf einen dieser Punkte und kein Grund, einen dickeren Schutz zu kaufen.
Was ein Armschutz leistet
Der offensichtliche Zweck ist die Prellung, die ausbleibt. Blaue Flecken sind dabei der häufigste Fall, es bleibt aber nicht immer dabei. Abschürfungen kommen vor, bei hohen Zuggewichten auch offene Stellen.
Drei weitere Aufgaben sind weniger bekannt und mindestens so wichtig.
Er verhindert eine Schonhaltung. Wer ohne Schutz schießt, lernt durch Schmerz. Das Ergebnis ist selten eine bessere Technik, sondern eine Ausweichbewegung. Abgewinkelter Ellenbogen, eingedrehtes Handgelenk, der ganze Bogenarm weg von der Sehne. Diese Haltung sitzt nach wenigen Trainingseinheiten fest und ist deutlich schwerer wieder loszuwerden, als sie entstanden ist. Ein Armschutz nimmt die Angst aus dem Ablauf, bevor sie sich in die Bewegung einbaut.
Er fängt Splitter ab. Bricht ein beschädigter Pfeil im Moment des Schusses, fliegen die Bruchstücke am Bogenarm entlang. Kräftiges Leder hält sie ab. Das ist der Grund, warum ein dünner Stretch-Ärmel zwar bequem ist, aber nicht dasselbe leistet wie ein massives Modell.
Er hält den Ärmel flach. Streift die Sehne Stoff, wird sie aus ihrer Bahn gelenkt, und der Pfeil geht seitlich weg. Nebenbei schont die glatte Fläche auch die Sehne selbst, die sonst bei jedem Schuss über Gewebe scheuert.
Lang oder kurz: eine Frage der Erfahrung
Armschutze unterscheiden sich vor allem in der Länge. Welche passt, hängt am Können, nicht am Bogentyp.
| Lange Ausführung | Kurze Ausführung | |
|---|---|---|
| Abdeckung | Unterarm und Oberarm | nur der Unterarm |
| Vorteil | große Schutzfläche | mehr Bewegungsfreiheit |
| Nachteil | schränkt die Bewegung ein | kleinere Schutzfläche |
| Passt zu | Einsteigern, unruhiger Technik, dicker Kleidung | gefestigter Technik, eingestelltem Bogen |
Die lange Ausführung, auch Unter- und Oberarmschutz genannt, ist die Empfehlung für den Einstieg. Solange Schusstechnik und Bogeneinstellung noch schwanken, trifft die Sehne nicht immer dieselbe Stelle, und sie schlägt durchaus oberhalb des Ellenbogens an. Genau dort hört ein kurzes Modell auf. Der Preis dafür ist spürbar: Ein Schutz, der über das Ellenbogengelenk reicht, schränkt die Bewegung ein.
Die kurze Ausführung deckt den Bereich über dem Handgelenk ab und lässt den Arm frei. Sie ist die Wahl erfahrener Schützen, bei denen Technik und Zuggewicht stimmen und die Sehne den Arm ohnehin kaum noch berührt. Ganz verzichten sollte auch dann niemand, ein unsauberer Schuss passiert am Ende einer langen Trainingseinheit auch nach Jahren.
Wer sich unsicher ist, nimmt die lange Version. Zu viel Abdeckung hat noch niemandem geschadet, und kürzen lässt sich später immer noch.
Material und Verschluss

Armschutze aus Leder, die verbreitetste Bauart
Leder ist der Klassiker. Es passt sich nach einigen Trainingseinheiten der Armform an, trägt sich angenehm und bietet den besten Schutz gegen Pfeilsplitter. Dafür will es gelegentlich gefettet werden und mag keine dauerhafte Nässe.
Kunststoff ist formstabil und pflegeleicht. Die glatte, oft leicht gewölbte Oberfläche lässt die Sehne besonders sauber abgleiten, weshalb viele Sportschützen dazu greifen. Er trägt sich steifer und passt sich nicht an, sondern bringt seine Form mit.
Stretch-Material wird wie ein Ärmel übergezogen und ist die bequemste Variante. Sie schützt gegen die Sehne, aber nicht gegen Splitter, und ist damit eher etwas für erfahrene Schützen mit ruhigem Schussablauf.
Beim Verschluss gibt es zwei verbreitete Lösungen. Klett- und Klickverschlüsse lassen sich schnell und ohne fremde Hilfe anlegen, Klett verliert allerdings nach ein bis zwei Jahren an Haftkraft. Gummiband-Schnürungen, die über Haken gewickelt werden, sind vor allem an traditionellen Modellen zu finden, halten länger und können bei zu straffem Zug einschneiden.
Die praktische Regel dazu: Was du nicht allein anlegen kannst, wirst du irgendwann weglassen. Probiere das vor dem Kauf einmal aus.
Passform und Sitz
Zwei Maße brauchst du. Den Umfang des Unterarms an der breitesten Stelle und die Strecke vom Handgelenk aufwärts, je nach gewünschter Länge bis unter die Ellenbeuge oder darüber hinaus. Miss über der Kleidung, in der du üblicherweise schießt, sonst fällt der Schutz im Winter zu klein aus.
Angelegt wird er auf der Innenseite des Unterarms, dort, wo die Sehne vorbeiläuft. Zwischen Riemen und Arm sollte etwa ein Finger Spielraum bleiben. Passen zwei, verrutscht der Schutz beim Auszug und gibt die Kante frei, die er decken soll. Passt keiner, drückt er auf die Durchblutung, und der Arm schläft nach zwanzig Schüssen ein.
Der beste Maßstab ist unspektakulär: Im Idealfall vergisst du beim Schießen, dass du ihn trägst.
Viele Modelle kommen in Einheitsgrößen mit verstellbaren Riemen. Bei den langen Ausführungen wird dagegen meist zwischen Kinder- und Erwachsenengrößen unterschieden, weil sich Ober- und Unterarmlänge nicht über einen Riemen ausgleichen lassen. Zur übrigen Schutzausrüstung gehört noch der Schutz für die Ziehhand, also ein Fingertab oder ein Schießhandschuh. Welche der beiden Varianten zu dir passt, behandelt der Beitrag zum Fingerschutz.
Armschutz selbst bauen
Ein Armschutz ist ein flaches Stück Leder mit Löchern. Das macht ihn zum naheliegenden Einstieg in die Lederarbeit, und im traditionellen Bogenschießen ist das selbst gebaute Stück verbreitet. Über den Preis rechnet es sich allerdings nicht, dazu unten mehr.
Material
Leder in 2,5 mm Stärke ist ein guter Kompromiss. Fest genug, um die Sehne abzuhalten, weich genug, um sich ohne Spezialwerkzeug verarbeiten zu lassen. Dicker geht, dünneres Leder lässt sich notfalls doppelt legen. Eine ausgediente Lederschultasche gibt genug her.
Ein Hinweis zur Farbe: Unbehandeltes Leder lässt sich später verzieren, eingefärbtes in der Regel nicht. Wer punzieren oder brennen will, kauft also naturbelassen.
Schablone und Zuschnitt
Zuerst entsteht eine Schablone aus Pappe im Maßstab 1 zu 1. Miss den Arm mit einem Bandmaß, dabei kommt es nicht auf den Zentimeter an, weil der Schutz mit und ohne Ärmel unterschiedlich weit aufsteht.
Als Anhaltspunkt für ein Erwachsenenmodell: oben etwa 19 cm breit, unten etwa 27 cm, Länge um die 22 cm. Runde Enden und eine gerade Kante für die Haken haben sich bewährt. Die Rundungen zeichnest du mit einem Topf oder Eimer an.
Zwei Hilfslinien lohnen sich: je eine Senkrechte durch die Mitte in Höhe und Breite. Sie helfen später, ein Motiv mittig auszurichten. Die Positionen der Löcher gehören ebenfalls auf die Schablone.
Übertragen wird die Kontur mit einem sehr weichen Bleistift auf hellem Leder oder einem weißen Pastellstift auf dunklem. Weich deshalb, weil eine harte Mine Kratzer hinterlässt, die bleiben, wenn du die Schablone noch einmal anders legen willst. Fehler lassen sich ausradieren.
Geschnitten wird mit einer großen, scharfen Schere. Ab etwa 3,5 mm Stärke wird das mühsam, dann weichst du das Leder in warmem Wasser ein und arbeitest mit einem Teppichmesser.
Löcher, Kanten und Verschluss
Die Löcher stanzt du mit einer Lochzange oder mit Locheisen und Hammer. In beiden Fällen gehört ein hartes Stück Leder oder ein Holzklotz darunter, damit das Werkzeug nicht auf die eigene Backe schlägt und stumpf wird.
Die Schnittkanten bekommen anschließend einen Kantenbrecher, der die scharfe Kante bricht. Das Leder liegt dabei flach und wird mit der freien Hand festgehalten, das Werkzeug wird schräg angesetzt und mit gleichmäßigem, langsamem Druck geschoben. Vorsicht ist angebracht, ein abrutschender Kantenbrecher trifft sonst die Finger.
Für den Verschluss gibt es zwei Wege:
- Lederschnur über Kreuz durch die Löcher. Schnell gemacht und ohne Zusatzwerkzeug, in der Handhabung aber fummelig, besonders über einem Ärmel.
- Haken einsetzen und ein Lederband einhängen. Deutlich angenehmer im Alltag. Dafür braucht es ein spezielles Werkzeug, das den Hakenstift ringförmig ins Leder umlegt, damit nichts am Ärmel hängen bleibt.
Verzierung und Endbehandlung
Ein Motiv überträgst du am einfachsten mit Butterbrotpapier, in vier Schritten:
- Das Motiv mit weichem Bleistift auf das Papier malen.
- Das Papier mit der bemalten Seite nach unten auf das Leder legen.
- An den Hilfslinien mittig ausrichten.
- Von oben mit demselben Stift nachziehen.
Ob du punzieren kannst, also ein Muster mit Stempeln ins feuchte Leder schlagen, hängt an der Stärke. Unter etwa 3,5 mm schlagen die Punzen durch, dann sind Brennen oder Färben die besseren Wege.
Zum Schluss werden die umgelegten Hakenstifte mit feinem Schleifpapier geglättet, die Innenseite wird gebürstet, und die Oberseite bekommt reichlich Lederfett oder Balsam.
Die ehrliche Kostenrechnung
Das Leder ist der günstigste Teil. Teuer wird das Werkzeug. Kantenbrecher und Lochzange liegen im niedrigen zweistelligen Bereich, das Werkzeug zum Einschlagen der Haken kostet ein Vielfaches davon und damit deutlich mehr als mehrere fertige Armschutze.
Daraus folgen zwei Empfehlungen. Wer ein einzelnes Stück bauen will, setzt auf die Schnürung oder lässt die Haken beim örtlichen Schuster einsetzen, das kostet wenig. Und wer nur einen funktionierenden Armschutz braucht, kauft ihn für 10 bis 25 Euro. Der Selbstbau lohnt sich, weil er Spaß macht und ein Einzelstück ergibt, nicht weil er günstiger wäre.
Ein selbst gebautes Stück verschleißt übrigens genauso wie ein gekauftes. Prüfe es regelmäßig auf durchgescheuerte Stellen, ein Armschutz mit Loch schützt an genau dieser Stelle nicht mehr.
Fazit
Der Armschutz ist das günstigste Teil der Ausrüstung und dasjenige, das am schnellsten vergessen wird. Für den Einstieg ist die lange Ausführung aus Leder die richtige Wahl, weil die Sehne bei noch schwankender Technik auch oberhalb des Ellenbogens anschlägt. Kürzen kannst du später, wenn der Schussablauf sitzt.
Wenn die Sehne bei dir regelmäßig anschlägt, ist der nächste Schritt nicht ein dickerer Schutz. Miss die Standhöhe deines Bogens nach und lass den Ellenbogen des Bogenarms im Auszug leicht gebeugt. In den meisten Fällen ist das Thema damit erledigt.
Häufige Fragen
Warum brauche ich überhaupt einen Armschutz?
Er schützt den Unterarm des Bogenarms vor der Sehne, die beim Lösen nach vorn schnellt und dabei sehr dicht am Arm vorbeiläuft. Trifft sie, entstehen Prellungen und Abschürfungen. Dazu kommt ein zweiter Fall, an den kaum jemand denkt: Bricht ein beschädigter Pfeil im Schuss, fängt kräftiges Leder die Splitter ab. Und er hält den Ärmel flach, damit die Sehne nicht am Stoff hängen bleibt.
Brauche ich eine lange oder eine kurze Ausführung?
Das hängt an deiner Erfahrung, nicht am Geschmack. Anfänger nehmen die lange Ausführung über Unter- und Oberarm, weil die Sehne bei noch schwankender Technik auch oberhalb des Ellenbogens anschlägt. Wer sauber und wiederholbar schießt, kann auf einen kurzen Unterarmschutz wechseln und gewinnt Bewegungsfreiheit. Ganz weglassen sollte ihn niemand, ein unsauberer Schuss passiert auch nach Jahren.
Leder oder Kunststoff?
Beides funktioniert, sie verhalten sich unterschiedlich. Leder ist weich, passt sich dem Arm an und bietet den besten Schutz gegen Pfeilsplitter, will dafür gelegentlich gefettet werden. Kunststoff ist formstabil, pflegeleicht und lässt die Sehne besonders sauber abgleiten, trägt aber steifer. Leder ist im traditionellen Schießen verbreiteter, Kunststoff im sportlichen. Beim Preis nehmen sie sich je nach Modell wenig.
Wie fest muss der Armschutz sitzen?
Fest genug, dass er beim Auszug nicht verrutscht, und locker genug, dass er die Durchblutung nicht behindert. Ein guter Anhaltspunkt ist ein Finger Spielraum unter dem Riemen. Im Idealfall vergisst du beim Schießen, dass du ihn trägst. Wichtig ist außerdem, dass du ihn ohne fremde Hilfe schnell anlegen kannst, sonst bleibt er irgendwann in der Tasche.
Lohnt es sich, einen Armschutz selbst zu bauen?
Wenn dir das Bauen Spaß macht, ja. Über den Preis rechnet es sich nicht. Leder und Kleinteile sind günstig, aber Kantenbrecher, Lochzange und vor allem das Werkzeug zum Einschlagen der Haken kosten zusammen ein Vielfaches eines fertigen Armschutzes. Wer nur ein Stück bauen will, lässt die Haken beim Schuster setzen, das kostet wenig und spart die teuerste Anschaffung.