Bogenklassen im Bogensport: welche Klasse zu deinem Bogen passt
Bogenklassen im Bogensport erklärt: was WA, IFAA, DSB, DFBV und DBSV unterscheiden, warum der Klassenname wenig verrät und wo du selbst startest.
Inhaltsverzeichnis 9 Abschnitte
- Bogenklasse und Bogenart sind nicht dasselbe
- Die Klassen der World Archery
- Der Ring, der den Blankbogen definiert
- Warum die IFAA viel mehr Klassen kennt
- Derselbe Name, gegensätzliche Regeln
- In Deutschland entscheidet der Verband, unter dem du startest
- Welche Klasse passt zu deinem Bogen?
- Was Einsteiger dabei falsch verstehen
- Fazit
Eine Bogenklasse ist keine Bauart deines Bogens, sondern eine Wettkampfeinteilung. Sie sagt, mit welcher Ausrüstung du antrittst. Und welche Klassen es überhaupt für dich gibt, entscheidet nicht der Weltverband, sondern die Ausschreibung des Turniers, zu dem du fährst.
Das ist der Grund, warum die Klassenlandschaft so unübersichtlich wirkt. Drei deutsche Verbände und zwei Weltverbände teilen dasselbe Feld unterschiedlich ein, und derselbe Name steht nicht überall für dieselben Regeln. Dieser Beitrag sortiert das von deinem Bogen aus, nicht vom Regelwerk her.
Bogenklasse und Bogenart sind nicht dasselbe
Der häufigste Denkfehler steckt schon im Wort. Viele hören „Blankbogen“ und suchen im Laden nach einem Bogen dieses Namens. Den gibt es nicht.
Die Bauart beschreibt, wie der Bogen gebaut ist. Ein Recurvebogen hat nach vorn gebogene Wurfarmenden, ein Langbogen ein durchgehendes D-förmiges Profil, ein Compoundbogen arbeitet mit Umlenkrollen. Welche Bauarten es gibt, steht ausführlich in der Übersicht der Bogenarten.
Die Bogenklasse beschreibt dagegen, womit du im Turnier antrittst. Blankbogen heißt: ohne Zielhilfen. Welcher Bogen darunter steckt, ist zweitrangig, meistens ein ganz gewöhnlicher Recurvebogen ohne montiertes Zubehör.
Wozu der Aufwand? Chancengleichheit. Ein Compoundbogen mit Visier, Release und Wasserwaage trifft unter sonst gleichen Bedingungen zuverlässiger als ein Holzbogen, der über den Handrücken geschossen wird. Ein gemeinsames Ergebnis der beiden wäre keine Aussage über die Schützen, sondern über die Geräte. Deshalb ziehen die Verbände Grenzen und schreiben auf, welches Zubehör in welche Klasse führt.
Die Klassen der World Archery
Die World Archery, abgekürzt WA, ist der Weltverband des Bogensports und hieß bis 2011 FITA. Sie richtet die olympischen Wettbewerbe aus, dazu Weltmeisterschaften in der Halle, im Feld und im 3D-Bereich. Deutschland ist über den Deutschen Schützenbund vertreten.
| Klasse | Bogen | Erlaubt | Nicht erlaubt |
|---|---|---|---|
| Recurve | Recurvebogen | Visier, Stabilisatoren, Klicker, Button | Scope, Release |
| Compound | Compoundbogen | Visier, Peep, Release, Stabilisatoren | kaum Beschränkungen beim Zubehör |
| Blankbogen | meist Recurvebogen | Zusatzgewichte am Mittelteil, String Walking | Visier, Stabilisatoren, jede Markierung |
| Langbogen | Langbogen ohne Recurve | schlichte Ausführung, Schuss über den Handrücken | Visier, Zielhilfen, Auszugskontrolle |
| Traditional Bow | Recurvebogen, Holz oder Bambus | einfache Pfeilauflage, Face Walking | Visier, Stabilisatoren |
Diese fünf Klassen treten nicht gemeinsam an. Recurve und Compound sind die Klassen des Scheibenschießens, dort fällt olympisch die Entscheidung. Blankbogen läuft auf der Scheibe und im Feld mit. Langbogen und Traditional Bow gibt es bei der WA im 3D-Bereich, also beim Schießen auf Tierattrappen im Gelände. Wer die Klassen als eine Liste liest, erwartet ein Turnier, das es so nicht gibt.
Die Klasse Traditional Bow hieß früher Instinctive Bow. Die WA hat sie inzwischen umbenannt, dir begegnen deshalb beide Begriffe. Gemeint ist dasselbe: ein Recurvebogen mit Mittelteil aus Holz oder Bambus, sehr einfache Pfeilauflage, kein Visier.
Der Ring, der den Blankbogen definiert
Für die Blankbogenklasse hat die WA eine Regel, die kürzer ist als jede Zubehörliste. Der Bogen muss durch einen Ring von 12,2 Zentimetern Innendurchmesser passen, ungespannt und samt aller montierten Zusatzgewichte. Der Ring darf dabei gekippt und gedreht werden, hindurchpassen muss der Bogen trotzdem.
Damit erübrigt sich jede Aufzählung. Lange Stabilisatoren, Ausleger und ausladende Dämpfer scheitern an dieser Prüfung von selbst. Zusatzgewichte direkt am Mittelteil bleiben möglich, weil sie nah am Bogen sitzen.
Verwechsle die Zahl nicht mit der Zielauflage. Die große WA-Scheibe misst 122 Zentimeter, und deren Zehn hat zufällig ebenfalls 12,2 Zentimeter. Die beiden Maße haben nichts miteinander zu tun.
Warum die IFAA viel mehr Klassen kennt
Neben der WA gibt es einen zweiten Weltverband, die International Field Archery Association, kurz IFAA. Sie kommt aus dem jagdlichen Feldbogenschießen, richtet Weltmeisterschaften im Feld und auf 3D-Ziele aus und versteht sich ausdrücklich als Breitensportverband. Für Deutschland ist der Deutsche Feldbogenverband Mitglied.
Die IFAA teilt nach Schießstil ein, nicht nach Bogenart. Das ist der ganze Unterschied, und er erklärt die Zahl der Klassen. Es gibt drei Grundrichtungen:
- Freestyle ist die offene Richtung. Visier erlaubt, in der unbeschränkten Variante auch Zielfernrohr und Release.
- Bowhunter kommt vom jagdlichen Schießen. Kurze Stabilisatoren, Visiere, und der Griff in die Sehne muss über den ganzen Wettkampf gleich bleiben.
- Traditionell umfasst Langbogen, historische Bögen und traditionelle Recurvebögen. Hier schreibt die IFAA Holzpfeile mit Naturfedern vor, was gegenüber Carbonpfeilen ein deutlich höheres Pfeilgewicht bedeutet.
Jede dieser Richtungen wird zusätzlich danach getrennt, ob mit den Fingern oder mit einem mechanischen Release geschossen wird, und ob ein Recurve- oder ein Compoundbogen im Spiel ist. Aus drei Grundrichtungen werden so schnell neun oder mehr Klassen. In Ergebnislisten erscheinen sie als Kürzel, meist mit einem angehängten R für Recurve oder C für Compound.
Derselbe Name, gegensätzliche Regeln
Hier lohnt sich Aufmerksamkeit, denn dieser Punkt führt regelmäßig zu Missverständnissen im Verein.
| World Archery | IFAA | |
|---|---|---|
| Stabilisatoren im Blankbogen | verboten, durchgesetzt über den Ring | erlaubt, auch lange und V-förmige (V-Bar, Mono-Stabi, Seintenstabis) |
| String Walking im Blankbogen | erlaubt | erlaubt |
| String Walking in den Bowhunter-Klassen | Klasse gibt es dort nicht | verboten |
String Walking bedeutet, dass die Ziehhand die Sehne je nach Entfernung an unterschiedlichen Stellen greift, um ohne Visier auf verschiedene Distanzen zu treffen. Wie das funktioniert und was es für die Bogeneinstellung bedeutet, steht im Beitrag zum Tiller.
Wer also mit demselben Bogen zu einem WA-Turnier und zu einem IFAA-Turnier fährt, muss unter Umständen Zubehör abschrauben oder darf welches montieren. Der Klassenname bleibt gleich.
In Deutschland entscheidet der Verband, unter dem du startest
Drei Verbände richten in Deutschland Bogenturniere aus, und sie schneiden die Klassen unterschiedlich zu.
| Verband | Ausrichtung | Klassen | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| DSB, Deutscher Schützenbund | WA-Regelwerk, olympisch | Recurve, Compound, Blankbogen | Qualifikation über Verein, Kreis, Bezirk und Land |
| DFBV, Deutscher Feldbogenverband | IFAA-Regelwerk, Feld und 3D | elf Bogenklassen | keine Qualifikation nötig, Anmeldung genügt |
| DBSV, Deutscher Bogensportverband | stark an der WA orientiert | fünf bis sieben Stilarten | bietet zusätzlich das Programm des DFBV an |
Die praktische Folge steht in der ersten Zeile. Der DSB ist der größte Bogensportverband Deutschlands und das deutsche WA-Mitglied, führt in seinen Meisterschaften aber nur drei Klassen. Eine eigene Langbogenklasse gibt es dort nicht. Wer mit dem Langbogen zur DSB-Meisterschaft will, startet in der Blankbogenklasse, also gegen Recurvebögen ohne Visier.
Das ist kein Versehen, sondern eine Frage der Meldezahlen. Einzelne Landesverbände, Bezirke und Kreise schreiben zusätzliche Klassen aus, sobald sich genug Schützen melden. Kommen in mindestens fünf Landesverbänden genug Starter zusammen, kann eine Klasse ins Meisterschaftsprogramm des DSB aufrücken.
Der DFBV geht den umgekehrten Weg. Seine Mitglieder beschließen die Wettkampfregeln auf der Jahreshauptversammlung selbst, und das Ergebnis sind viele Klassen mit jeweils eigener Meisterschaft.
Welche Klasse passt zu deinem Bogen?
Vom Gerät aus gedacht wird die Frage schnell einfach. Entscheidend ist, was montiert ist, nicht was auf dem Karton stand.
| Was du hast | Klasse beim DSB | Klasse im IFAA-Bereich |
|---|---|---|
| Recurvebogen ohne Visier | Blankbogen | Barebow Recurve |
| Recurvebogen mit Visier und Stabilisator | Recurve | Freestyle Limited (FS-R) |
| Compoundbogen mit Visier und Release | Compound | Freestyle Unlimited |
| Langbogen mit Holzpfeilen | Blankbogen | Langbogen |
| Traditioneller Recurvebogen aus Holz | Blankbogen | traditioneller Recurve |
Für den Einstieg ist die Antwort fast immer die Blankbogenklasse. Ein Einsteigerset wird ohne Visier geliefert und ohne Stabilisatoren geschossen, damit fällt es genau dorthin. Das ist eine gute Nachricht: Die Klasse verlangt am wenigsten Ausrüstung und ist auf fast jedem Turnier ausgeschrieben.
Eine Auskunft spart dir trotzdem jede Übersicht. Frag im Verein, unter wessen Ausschreibung eure Turniere laufen. Danach musst du nur noch eine Klassenliste lesen statt fünf. Falls dir der Verein selbst noch fehlt, hilft der Beitrag darüber, wo du überhaupt schießen darfst.
Was Einsteiger dabei falsch verstehen
Der Klassenname sagt nicht, was erlaubt ist. Er ist eine Überschrift, keine Regel. Was zählt, steht in der Wettkampfordnung des ausrichtenden Verbands, und die unterscheidet sich, wie die Stabilisatoren im Blankbogen zeigen.
Zur Bogenklasse kommt immer eine Altersklasse. Erst beide zusammen ergeben, in welcher Wertung du stehst. Das erklärt auch die verwirrend hohen Titelzahlen. Elf Bogenklassen mal zehn Altersklassen ergeben beim DFBV rechnerisch 110 mögliche Deutsche Meister je Wettkampfprogramm und Jahr.
Die Klasse ist keine Entscheidung fürs Leben. Du meldest sie pro Turnier. Wer im Frühjahr blank schießt und im Herbst ein Visier montiert hat, startet im Herbst in der Recurveklasse. Nichts daran ist endgültig.
Und du brauchst für den Anfang gar keine. Vereinstraining, Parcours und Schnupperkurse laufen ohne Klasseneinteilung. Sie wird erst zum Thema, wenn du dich zu einem Turnier anmeldest.
Fazit
Bogenklassen ordnen nicht Bögen, sondern Ausrüstung, und wie sie geschnitten sind, hängt am Verband. Für dich als Einsteiger genügt zunächst eine einzige Erkenntnis. Mit einem Recurvebogen ohne Visier startest du in der Blankbogenklasse, und mehr musst du bis zur ersten Turniermeldung nicht wissen. Frag beim nächsten Training, unter welcher Ausschreibung euer Verein antritt. Damit weißt du in einem Satz, welche Klassenliste für dich überhaupt gilt.
Häufige Fragen
Was ist eine Bogenklasse?
Eine Bogenklasse ist eine Wettkampfeinteilung. Sie legt fest, welche Ausrüstung erlaubt ist, damit im Turnier vergleichbare Geräte gegeneinander antreten. Ein Compoundbogen mit Visier und Release schießt deshalb nicht gegen einen Langbogen aus Holz. Die Klasse sagt nichts über die Bauart deines Bogens aus, sondern über die Ausstattung, mit der du startest.
Welche Bogenklassen gibt es beim DSB?
Der Deutsche Schützenbund führt für seine Meisterschaften drei Klassen: Recurve, Compound und Blankbogen. Wer mit einem Langbogen antreten möchte, startet dort in der Blankbogenklasse. Einzelne Landesverbände, Bezirke oder Kreise schreiben bei genug Meldungen zusätzliche Klassen aus. Kommen in mindestens fünf Landesverbänden genug Starter zusammen, kann eine Klasse ins Meisterschaftsprogramm des DSB aufgenommen werden.
Was ist der Unterschied zwischen Blankbogen und Recurvebogen?
Recurvebogen ist die Bauform, Blankbogen die Wettkampfklasse. In der Blankbogenklasse der World Archery wird meist ein gewöhnlicher Recurvebogen geschossen, nur ohne Visier und ohne Stabilisatoren. Geprüft wird das mit einem Ring von 12,2 Zentimetern Innendurchmesser: Der ungespannte Bogen muss samt aller Zusatzgewichte hindurchpassen.
Warum kennt die IFAA so viel mehr Klassen als die World Archery?
Weil sie nach Schießstil einteilt und nicht nach Bogenart. Jeder Stil wird zusätzlich danach unterschieden, ob mit den Fingern oder mit einer mechanischen Release geschossen wird. Aus wenigen Grundtypen entstehen so viele Kombinationen. Die IFAA kommt aus dem jagdlichen Feldbogenschießen, wo die Ausrüstung traditionell stärker variiert.
In welcher Klasse startet ein Anfänger?
Das hängt am Bogen und am Verein. Mit einem Einsteigerset ohne Visier ist es fast immer die Blankbogenklasse, mit montiertem Visier die Recurveklasse. Frag im Verein nach, unter wessen Ausschreibung eure Turniere laufen. Diese eine Auskunft beantwortet die Klassenfrage schneller als jede Übersicht.