Bogenarten im Überblick: welcher Bogentyp passt zu dir?

Bogenarten im Vergleich: Recurve, Langbogen, Compound, Hybrid und Reiterbogen mit Stärken, Schwächen und Preisen. Welcher Bogentyp zu dir passt.

Zwei laminierte Recurvebögen lehnen an einem bemoosten Baumstumpf im Wald
Inhaltsverzeichnis 11 Abschnitte
  1. Die fünf Bogenarten auf einen Blick
  2. Der Recurvebogen
  3. Drei Recurve-Varianten für drei Ziele
  4. Der Langbogen
  5. Der Compoundbogen
  6. Der Hybridbogen
  7. Der Reiterbogen
  8. Warum überhaupt so genau unterschieden wird
  9. Die drei Fragen, die die Wahl entscheiden
  10. Was Einsteiger falsch einschätzen
  11. Fazit

Für den Einstieg in den Bogensport kommen praktisch drei Bogenarten infrage. Der Recurvebogen, der Langbogen und der Compoundbogen. Alles Weitere sind Spezialisierungen, die selten der erste Bogen sind.

Welche Bogentypen gibt es und warum werden sie unterschieden?

Legt Langbogen, traditionellen Recurve, Take-Down-Recurve und Compound nebeneinander und geht durch, was jeden ausmacht. Erklärt am Ende, warum die Verbände überhaupt in Klassen einteilen.

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Was die Typen unterscheidet, ist der Grad an Technik. Vom Holzstock bis zum Gerät mit Rollen, Zielfernrohr und Lösehilfe liegt eine ganze Entwicklungsgeschichte, und jede Stufe hat ihre Anhänger. Hier stehen alle fünf nebeneinander, mit dem, was sie leisten und was sie kosten.

Die fünf Bogenarten auf einen Blick

Bogenart Für wen Zuggewicht am Anfang Preis für den Einstieg Kennzeichen
Recurvebogen die meisten Einsteiger 15 bis 28 lbs 150 bis 250 Euro Wurfarmenden nach vorn gebogen, dreiteilig erhältlich
Langbogen Puristen, traditionelles Schießen 15 bis 25 lbs 100 bis 150 Euro D-förmiges Profil, kein Visier, kein Zubehör
Compoundbogen technisch Interessierte 30 bis 40 lbs 600 bis 900 Euro Rollen, Visier mit Scope, Lösehilfe
Hybridbogen Umsteiger vom Langbogen wie Recurve 100 bis 200 Euro Reflex-Deflex-Wurfarme, sehr leise
Reiterbogen Fortgeschrittene 20 bis 30 lbs 150 bis 350 Euro kurz gebaut, Daumenabzug

Die Preise sind Größenordnungen für brauchbare Marken-Einstiegsware, nicht die günstigste Anzeige des Tages.

Der Recurvebogen

Mehrere dreiteilige Recurvebögen hängen nebeneinander an einer Wand

Dreiteilige Recurvebögen, der Standard für den Einstieg

Der Name kommt von den Wurfarmenden, die nach vorn zeigen. Diese Gegenkurve speichert mehr Energie als ein gerader Wurfarm und macht den Bogen bei gleicher Länge schneller.

Für Einsteiger ist er aus einem Grund die Standardantwort. Es gibt ihn dreiteilig, als sogenannten Take-Down. Mittelstück und Wurfarme lassen sich trennen, und damit tauschst du später stärkere Wurfarme ein, statt einen kompletten Recurvebogen neu zu kaufen. Der Bogen wächst mit deiner Kraft.

Drei Recurve-Varianten für drei Ziele

Unter dem Wort Recurvebogen stecken drei recht verschiedene Geräte, und das ist die häufigste Rückfrage nach der Typenwahl.

  • Der traditionelle Recurvebogen ist meist einteilig, wird über das Bogenfenster geschossen und trägt kein Zubehör. Gegenüber dem Langbogen bringt er zwei Vorteile: Die gekrümmten Wurfarme machen ihn schneller, und in den meisten Wettkampfklassen darf er mit Carbonpfeilen geschossen werden. Damit fällt die Abstimmung erheblich leichter als mit Holz.
  • Der dreiteilige Take-Down ist der Einsteigerstandard. Wurfarme tauschbar, Zuggewicht anpassbar, Zubehör optional.
  • Der olympische Recurvebogen ist derselbe Take-Down, ausgebaut mit Visier, Button, Klicker und Stabilisatoren.

Der Sprung vom zweiten zum dritten ist dabei kein neuer Bogen, sondern eine Einkaufsliste. Ausführlich steht das im Beitrag zum Recurvebogen.

Der Langbogen

Ein laminierter Langbogen liegt auf einem bemoosten Stein im Wald

Der Langbogen, an der Sehne erkennbar am D-förmigen Profil

Die ursprünglichste Form, bekannt aus den Robin-Hood-Filmen. Kennzeichen ist das D-förmige Profil. Der gespannte Bogen bildet mit der Sehne ein D, die Wurfarme sind nicht gegengekrümmt.

Moderne Langbögen sind allerdings keine Holzstöcke mehr. Wurfarme und Sehnenmaterial sind erprobte Verbundwerkstoffe, auch wenn die Bauform alt ist.

Die steilere Lernkurve hat zwei Gründe. Es gibt kein ausgeschnittenes Schussfenster, der Pfeil liegt also weiter von der Mittellinie entfernt. Und traditionell wird er mit Holzpfeilen geschossen. Holz ist ein Naturprodukt und damit nie so gleichmäßig wie Carbon, das macht die Abstimmung zwischen Bogen und Pfeil deutlich aufwendiger. In den Wettkampfklassen fallen die Ergebnisse mit Langbogen entsprechend niedriger aus.

Wer die Einfachheit sucht, bekommt sie hier am reinsten. Mehr dazu im Beitrag zum Langbogen.

Der Compoundbogen

Mehrere Compoundbögen mit Cams und Visieren nebeneinander

Compoundbögen, erkennbar an den Rollen an beiden Wurfarmenden

Compound heißt zusammengesetzt, und das beschreibt es gut. Neben den biegsamen Wurfarmen sitzen Rollen, die Cams. Sie übersetzen die Kraft nach dem Prinzip eines Wellrads.

Der spürbare Effekt heißt Let-Off. Im Vollauszug nehmen dir die Cams bis zu 80 Prozent der Last ab. Statt 40 Pfund hältst du also noch acht, und das erlaubt langes, ruhiges Zielen. Dazu kommt das übrige Gerät: ein Visier mit Zielfernrohr, ein langer Stabilisator nach vorn und ein kurzer nach hinten als Gegengewicht, und statt Tab oder Handschuh eine Lösehilfe, das Release. Sie überträgt kaum noch Fehler der Hand auf die Sehne.

Das Ergebnis ist der präziseste Bogen im Feld. Der Preis dafür sind 600 bis 900 Euro für die komplette Ausrüstung, mehr Wartung und ein Wert, der exakt stimmen muss: Beim Compoundbogen ist die Auszugslänge fest eingestellt und nicht wie beim Recurve beliebig. Die Einzelheiten stehen im Beitrag zum Compoundbogen.

Der Hybridbogen

Ein Hybridbogen mit geschichtetem Holzmuster liegt auf einer Wiese

Der Hybridbogen, optisch schlank wie ein Langbogen

Die Mischung aus beidem. Der Wurfarm ist reflex-deflex geformt, verlässt den Griff also nach hinten und schwingt an den Enden nach vorn. Optisch bleibt die schlanke Linie des Langbogens, die Leistung liegt zwischen Langbogen und Recurve.

Zwei Eigenschaften machen ihn beliebt. Er ist sehr leise und hat kaum Handschock, also kaum Rückstoß in der Bogenhand. Mit 56 bis 64 Zoll ist er außerdem kompakter als ein Langbogen und passt damit auch für kleinere Schützen oder enge Parcours. Mehr im Beitrag zum Hybridbogen.

Der Reiterbogen

Ein kurzer Reiterbogen mit stark geschwungenen Wurfarmen

Der Reiterbogen, deutlich kürzer als alle anderen Bauarten

Historisch die Antwort auf ein Platzproblem. Vom Pferd aus lässt sich kein langer Bogen führen. Deshalb ist er kurz, und um trotzdem Leistung zu bringen, ist er aus mehreren Schichten aufgebaut.

Geschossen wird er klassisch mit dem Daumen statt mit drei Fingern, was eine eigene Technik und einen eigenen Fingerschutz verlangt. Das ist der Grund, warum er selten der erste Bogen ist. Als zweiter Bogen für Fortgeschrittene ist er dagegen reizvoll, siehe Beitrag zum Reiterbogen.

Warum überhaupt so genau unterschieden wird

Die Einteilung ist keine Erfindung der Händler, sondern kommt aus dem Wettkampf. Es hätte wenig Sinn, wenn jemand mit Zielfernrohr und Lösehilfe gegen jemanden mit einem Holzbogen anträte. Die Klassen stellen Chancengleichheit her.

Deshalb legen die Verbände genau fest, welches Zubehör in welche Klasse führt. Wer an Wettkämpfen teilnehmen will, sieht vorher in die Wettkampfordnung des DSB oder des DFBV, die Regelwerke unterscheiden sich.

Daraus folgt eine Unterscheidung, die oft durcheinandergeht. Nicht jede Bezeichnung im Bogensport ist eine Bauart. Der Blankbogen etwa ist eine Wettkampfklasse: Geschossen wird darin meist ein ganz normaler Recurvebogen, nur ohne Visier und ohne Stabilisatoren. Wer einen Blankbogen kaufen will, kauft also keinen besonderen Bogen, sondern lässt Zubehör weg.

Die drei Fragen, die die Wahl entscheiden

  1. Was willst du schießen? Scheibe auf feste Distanzen, 3D-Parcours im Gelände oder einfach in den Garten. Für den Parcours ist ein kompakter Bogen angenehmer, für die Scheibe zählt Präzision.
  2. Wie viel Technik willst du? Wer gern einstellt, misst und tunt, ist beim Compound richtig. Wer den Bogen aus dem Auto holen und losschießen will, bei Recurve oder Langbogen.
  3. Was darf es kosten? Zwischen einem Langbogen für 100 Euro und einer Compound-Ausrüstung für 900 liegt der Faktor neun. Und der Bogen ist nicht die einzige Ausgabe, was noch dazukommt, steht im Beitrag zu den Kosten.

Was Einsteiger falsch einschätzen

  • „Weniger Technik heißt einfacher.“ Es ist umgekehrt. Je weniger am Bogen hilft, desto mehr muss die Technik leisten. Der Langbogen ist die anspruchsvollste der drei Einstiegsvarianten, nicht die einfachste.
  • „Ein stärkerer Bogen ist besser.“ Zu viel Zuggewicht ist der häufigste Anfängerfehler. Welcher Wert passt, klärt der Ratgeber zum Zuggewicht.
  • „Der Bogen entscheidet über die Treffer.“ Entscheidend ist, dass Bogen und Pfeile zusammenpassen. Ein abgestimmtes Set aus der mittleren Preisklasse schlägt einen teuren Bogen mit den falschen Pfeilen.
  • „Die erste Wahl ist endgültig.“ Viele beginnen traditionell und schießen Jahre später Compound. Der erste Bogen ist eine Entscheidung für die nächsten Monate.

Fazit

Wenn du keinen besonderen Grund für etwas anderes hast, nimm einen dreiteiligen Recurvebogen. Er ist bezahlbar, verzeiht Fehler, lässt sich im Zuggewicht anpassen und deckt später beide Richtungen ab, das traditionelle Schießen ebenso wie den Ausbau zum Sportgerät.

Und wenn du unsicher bist, welcher Typ zu dir passt: Fast jeder Verein hat Leihbögen. Zwei Nachmittage dort beantworten die Frage besser als jede Tabelle.

Häufige Fragen

Welche Bogenarten gibt es?

Für den Sport sind fünf Bauarten üblich. Der Recurvebogen mit nach vorn gebogenen Wurfarmenden ist der Standard, der Langbogen die ursprünglichste Form mit D-förmigem Profil, der Compoundbogen das technisch aufwendigste Gerät mit Rollen und Visier. Dazu kommen der Hybridbogen als Mischung aus Langbogen und Recurve sowie der Reiterbogen als kurze, historische Bauform.

Welcher Bogen ist für Anfänger am besten?

In den allermeisten Fällen ein dreiteiliger Recurvebogen. Er ist bezahlbar, verzeiht Fehler und wächst mit, weil sich die Wurfarme einzeln tauschen lassen. Damit passt du das Zuggewicht an, ohne einen neuen Bogen zu kaufen. Ein Compoundbogen ist präziser, aber teurer und wartungsintensiver, ein Langbogen hat die steilere Lernkurve.

Was ist der Unterschied zwischen Recurve und Compound?

Der Recurvebogen speichert Energie allein über die Biegung der Wurfarme, du hältst im Vollauszug also das volle Zuggewicht. Der Compoundbogen arbeitet mit Rollen, den Cams. Sie nehmen dir im Vollauszug bis zu 80 Prozent der Last ab, das nennt sich Let-Off. Dadurch kannst du länger und ruhiger zielen. Der Preis dafür sind höhere Kosten, mehr Wartung und eine Auszugslänge, die exakt stimmen muss.

Ist der Blankbogen eine eigene Bogenart?

Nein. Blankbogen ist eine Wettkampfklasse, keine Bauform. Geschossen wird darin meist ein ganz normaler Recurvebogen, nur ohne Visier und ohne Stabilisatoren. Wer also einen Blankbogen kaufen will, kauft einen Recurvebogen und lässt das Zubehör weg.

Kann ich den Bogentyp später wechseln?

Ja, und das ist der Normalfall. Viele beginnen traditionell mit Recurve oder Langbogen und steigen nach ein bis zwei Jahren auf mehr Technik um. Umgekehrt kommt genauso vor. Der erste Bogen ist deshalb keine Entscheidung fürs Leben, sondern für die nächsten Monate.

Bleibt eine Frage offen? Im Verein steht immer jemand daneben, der sie in zwei Sätzen beantwortet, und genau dort fängt der Sport an.

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